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Full text of "Friedrich der Weise und die Anfänge der Reformation: Eine kirchenhistorische Skizze mit ..."

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Friedrich der Weise 



und die 



Anfänge der Reformation. 



Eine MrcheoMstonsclie SMzze 



mit 



ar h i V alis Oh e n Beilagen 



von 



D. Theodor Kolde, 

ord. Professor der Eirchengcschichte zu Erlangen. 



-&&- 




Erlangen. 

Verlag von Andreas Deicher t 

1881. 




Dniok von Jtmge & Sohn In Erlangen. 



Vorbemerkung. 



Die nachfolgende Skizze ist aus einer akademischen An- 
trittsrede erwachsen. Trotz des nur losen Znsammenhangs 
der Einleitung mit dem Thema, was zum Teil in dem ange- 
deuteten Zwecke seine Erklärung findet, und der für den 
Druck notwendig gewordenen Erweiterung, glaubte ich die 
ursprüngliche Form beibehalten zu dürfen, weil mir daran 
lag, gerade auch die einleitenden Bemerkungen einmal öffent- 
lich auszusprechen. 

Daß ich die Briefe Johanns an Friedrich von Sachsen 
vollständig gegeben habe, obwohl sie vielfach nur ein 
kulturhistorisches Interesse haben , wird keiner besonderen 
Motivirung bedürfen. Nur so lieferten sie die wünschenswerte 
Ergänzung zu den von Förstemann im Neuen Urkunden- 
buch abgedruckten Briefen Friedrich des Weisen an seinen 
Bruder. 

Erlangen, am 2. August 1881. 

Th. K. 



Sieht man von der Geschichte des Urchristentums ab, oder 
genauer von der Geschichte der Entstehung des Christentums als 
Gemeinschaft, seines ersten Ganges durch die Welt, seiner reli- 
giös-sittlichen, socialen und politischen Wirksamkeit, einem 
geschichtlichen Processe, auf dessen wahrhaft wissenschaft- 
liche und umfassende Darstellung wir noch immer vergebens 
harren, so giebt es wohl kaum eine andere Uebergangsperiode, 
bezüglich deren wir weniger ausgiebig unterrichtet wären, als 
die vom Mittelalter zur Neuzeit. Man darf sagen im Grossen 
und Ganzen ist die Vorgeschichte der Reformation ein noch 
unangebautes Gebiet. Das kann für den Augenblick überra- 
schen, denn die Zeit, in der 6. J. Planck in seiner Geschichte 
des protestantischen Lehrbegriflfs schreibt, daß er in der Mitte 
seines Werkes in Versuchung gewesen, seine Arbeit abzubre- 
chen, da doch Niemand mehr für dergleichen Interesse habe^), 
liegt weit hinter uns. Jedermann weiß, daß seitdem Ranke's 
deutsche Geschichte einen kräftigen Anstoß gegeben, kein 
Gebiet mit größerem Fleiße angebaut wird als das der deut- 
schen Reformation: haben doch die letzten sechs Jahre nach 
dem Erscheinen von Köstlin's Lutherbiographie nach einem un- 
gefähren Ueberschlag gegen sechshundert die deutsche Refor- 
mation betreffende selbständige Schriften und Aufsätze gezei- 
tigt, für die man dankbar zu sein alle Ursache hat. Aber 
wenn wir fragen, was haben wir denn seit Ranke in Bezug 
auf die unmittelbare Vorgeschichte der Reformation gelernt? 
Sind wir denn im Stande die deutsche Reformation, ihr allmäh- 
liches Entstehen, Werden und Wachsen ich will nicht sagen zu 
erklären, das wäre vermessen, sondern nur zu verstehen, so 
dürfte die Behauptung nicht zu gewagt sein, daß wir, so weit ich 



1) Vorrede zum 4ten Bande. 



sehe, noch nicht zum kleinsten Teile den Boden kennen, auf 
dem die Reformation erwachsen. Was die Ursachen derselben, 
die Bedingungen ihres Fortganges u. s. w. anlangt, so sind 
wir, seit dem der Pfarrer von Joachimstal, Joh. Matthesius, 
seiner Gemeinde Luthers Leben in Predigten ausgelegt und da- 
mit die landläufige Ansicht über Ursprung, Wesen und Ve/lauf 
der Reformation in Umlauf gebracht hat, nicht eben viel weiter 
gekommen. Geblendet von dem Lichte der neuen herrlichen 
Zeit, wo das Evangelium allenthalben seinen verklärenden 
Schein ausgehen ließ, überwältigt von der auch schon den 
Zeitgenossen wie übermenschlich erscheinenden Größe Luthers, 
des Mannes Gottes, des Heiligen, des Propheten, der die Bi- 
bel aus dem Staube unter der Bank hervorgeholt hat, sieht 
man noch immer in weiten Kreisen in der vorreformatorischen 
Zeit nur ein wüstes Chaos des entsetzlichsten Unglaubens, des 
Götzendienstes und der dadurch hervorgerufenen Sittenlosig- 
keit^). Anders freilich neuerdings Prof. Janssen 2) in Frank- 
furt, der den früheren DöUinger weit überbietend mit der Ge- 
lehrsamkeit und Gewandtheit eines Böhmer'schen Schülers, und 
der Energie eines zweckbewußten römischen Priesters, alles 
Bisherige , Erwiesenes wie Gemeintes auf den Kopf stellt, der 
die letzten fünfzig Jahre vor der Reformation als die Blüte- 
zeit der deutschen Nation, als die eigentliche Epoche der durch 
den Kardinal Nicolaus von Cusa heraufgeführten deutschen 
Reformation feiert, um dann die Zeit Luthers, des Revolutio- 



1) Das gilt ganz besoDders von den Darstellangen der Reforma- 
tionsgeschicbte in kleineren Bezirken, Städten u. s. w., wo die Schil- 
derang des religiösen Unwesens den Untergrund abgiebt. 

2) Janssen, Gesch. des deutschen Volkes, Freib. 1876 ff. Vgl. 
dazu die treffliche Kritik des ersten Bandes von M. Lenz in v. Sybels 
historischer Zeitschrift 37, 528 und G. Eawerau, die katholischen 
Lutherbiograpbien aus älterer und neuester Zeit in der Evangel. Eir- 
chenzeitung 1881 Nr. 10. Von demselben Standpunkt aus aber mit weit 
geringerem Geschick, weil seinen Haß gegen Luther und die Refor- 
mation zu wenig verbergend, ist das Buch von Const. v. Höfler, 
Adrian VI., Wien 1880 geschrieben. In der Gruppirung von vermeint- 
lichen Ursachen tibertrifft er wohl noch Janssen. Man sehe allein, 
wie er Luther für den Tod des Carl von Miltitz verantwortlich macht* 
S. 45. 



— 3 — 

närs , der diese Blüte zertrümmert, mit den Farben eines Höl- 
lenbrueghels zu malen. Gegen diese Art von Historik direet 
zu polemisiren, wäre töricht, man kann nur ein pathologi- 
sches Interesse dafür haben. Was dagegen gesagt werden 
kann, hat schon vor 30 Jahren J. Chr. K. Hofmann gegen- 
über der DöUingerschen Lutherskizze in wahrhaft klassischer 
Weise gesagt ^). 

Aber nicht weniger unrichtig ist doch wohl die vorhin 
kurz skizzirte vulgäre protestantische Tradition, der man es 
wird zum Vorwurf machen müssen, daß sie durch ihre Neigung, 
die mittelalterlichen religiösen Zustände ungeprüft in möglichiät 
düsterem Licht darzustellen, die römische Antithese mit ver- 
schuldet. Man sollte meinen, schon allein die Ueberlegung, 
wie es denn bei der Annahme eines derartigen religiösen Zu- 
standes, wie er gemeinhin noch immer vorausgesetzt wird, 
überhaupt möglich war, daß die ganze deutsche Nation wie 
mit einem Schlage in allen Schichten der Gesellschaft so in- 
tensiv von der religiösen Frage ergriffen werden konnte ^), wie 
wir es aus dem Verlaufe der Reformationsgeschichte kennen, 
müßte hier zur Anerkennung eines historischen Problems ver- 
anlassen. Luthers eminente Persönlichkeit, die zündende Ge- 
walt seiner Sprache, der weitgehendste Widerspruch gegen 
die Willkürherrschaft Roms ^), und der gewiß nicht hoch genug 
anzuschlagende Umstand, daß das Evangelium wieder einmal 
seit langer Zeit den Armen gepredigt wurde, vermögen das 
allein nimmermehr zu erklären. 

Man hat von anderer Seite die Forderung aufgestellt, 
man solle erst einmal die Theologie der letzten 20 Jahre 
vor Luther genau durchforschen, was gewiß sehr lehrreich 
und sehr notwendig ist, aber dadurch kommen wir doch dem 
Problem nicht näher, und es stünde schlimm um die Kirche 
des evangelischen Wortes, wenn sie nur auf einer theologi- 

1) J. Chr. E. Hofmann, Paulus eine Döllingerscbe Skizze. Erl. 
1851 gegen J. Döllinger, Luther eine Skizze. Freib. 1851. 

2) Auf diese Frage gehen weder Ranke noch Eöstlin tie- 
fer ein. 

3) Hierauf wird meines Erachtens von den meisten Forsebern ein 
viel zu großer Wert gelegt, auch von Ranke und neuerdings von 
Maurenbreeber. 



> 



— 4 - 

sehen Formel und nieht vielmehr auf dem Wiedererwachen des 
religiösen Gewissens unseres Volkes beruhte. In Wahrheit ist 
es doch zum Verständniß der Reformation vor allen Dingen 
nötig, was man bisher unterlassen, das religiöse Volksleben 
bis in seine kleinsten Einzelheiten zu verfolgen, und zwar auf 
der breitesten Grundlage, in allen Schichten der Gesellschaft, 
besonders unter den Handwerkern, den Zünften, den so wenig 
gekannten und doch so bedeutsamen Brüderschaften ^) und 
anderen kirchlich influirten Corporationen, und man wird die 
Beobachtung machen können, daß die Zunahme der Wallfahr- 
ten, des Heiligen- und Reliquiendienstes, die Ueberschwäng- 
lichkeiten in der Verehrung der Maria und der hl. Anna, das 
Aufkommen neuer Heiligen und all jene andern Dinge, die 
zum Charakteristikum der letzten Jahrzehente vor der Refor- 
mation gehören ^), historisch d. h. unter den Bedingungen je- 
ner Zeit betrachtet doch nicht nur schlechtweg als bloßer 
Aberglaube und Götzendienerei bezeichnet werden dürfen, son- 
dern, daß jenes ruhelose, unbefriedigte Hasten von einem 
Gnadenorte zum andern, von einer Verehrung zur andern viel- 
mehr der Ausdruck eines freilich irregeleiteten aber darum 
nicht minder tiefen und beachtenswerten, unter der Ungunst der 
Zeit, der politischen und socialen Verhältnisse je mehr und mehr 
wachsenden religiösen Bedürfnisses ist, eines religiösen Be- 
dürfnisses, das sich verzehrt und in Gefahr ist, in Verzweiflung 
und andere große Schande und Laster zu fallen, bis endlich 



1) Eine umfäDgliche Untersucbung der (meist den Bettelorden af- 
filiirten) Brüderschaften, ihres Verhältnisses zu den Ealandsgilden nnd 
ihrer Bedeutung für das religiöse Volksleben, die auf Grund von Luthers 
Schilderung (Erl. A. Bd. 27, 45 f.) viel zu sehr unterschätzt wird, wäre 
dringend zu wünschen Freilich ist das Material schwer und zum größ- 
ten Teile nur auf archivalischem Wege zu erlangen. Doch bieten die 
zeitgenössischen Chronisten , vor allem die Berner Chronik des Vale- 
rius Anselm Einiges. Hier mußte die Localgeschichtsforsqhung ein- 
setzen. Für Bremen z. B. vgl. Duntze, Geschichte von Bremen II, 
360. III, 499 u. öfter. 

2) Hierauf hat zuletzt in geschickter Weise wenn auch etwas ver- 
allgemeinernd aufmerksam gemacht Eb. Gothein, Politische und reli- 
giöse Volksbewegungen vor der Beformation, Breslau 1878. Vgl. 
meine Anzeige in Schürers theol. Literaturzeitung. Jahrg. 1879 S. 180. 



- 5 — 

die reformatorische Predigt von der Gnade Gottes in Christo 
Jesu das erlösende Wort bringt. Nur dadurch daß durch das 
ganze Volk unbefriedigtes aber auch unverstandenes Suchen 
ging, erklärt es sich, daß man auch endlich die wie zußlllig 
gefundene Perle zu schätzen vermochte, und wo immer die An- 
nahme des evangelischen Wortes Herzenssache war, dürfte 
sich mutatis mutandis ein ähnlicher Entwicklungsgang, ein 
ähnliches Ringen um die Gerechtigkeit nachweisen lassen, wie 
bei Luther selbst. 

Damit soll durchaus nichts Neues ausgesagt werden. Diese 
Gedanken sind so selbstverständlich, daß man glauben sollte, 
sie müßten sich jedem aufdrängen. Doch finde ich nicht, daß 
man sie für das Verständniß der Reformation so verwertet 
hätte, wie es nötig gewesen wäre. 

H. Rtickert, der in seinem geistreichen Essay über Lu- 
ther mehr als Andere auf die religiöse Heilsbedürftigkeit des 
deutschen Volkes und seine fieberhafte Erregung hinweist^), 
findet doch zugleich — fälschlich italienische Zustände auf 
Deutschland übertragend — „eine heimliche Abkehr des Her- 
zens von dem, was der Mund als heilig bekennt." Luther ist 
nach ihm „der ersehnte Befreier von jenem ungeheuerlichen 
Geistesdruck, jener schmählichen Zerrüttung der Gewissen, 
jenem bergehohen Wust von Lüge und Schmutz, den die Kirche 
auf unser Vaterland gehäuft." Das würde doch ein Bewußt- 
sein von der Unzulänglichkeit der kirchlich gebotenen Gna- 
denmittel und Andachtsformen voraussetzen, das doch, sieht 
man von den meist ^us nationalökonomischen Gründen erho- 
benen Protesten gegen den Ablaß ab, selbst in den gebildet- 
sten Kreisen Deutschlands nicht nachweisbar ist*). Aber noch 
weniger darf man mit Maurenbrecher hauptsächlich auf 
Grund der Auslassungen Hemmerlins gegen den Klerus sei- 
ner Zeit von einem „Auflösungsprocesse des religiösen Le- 



1) Martin Luther, im „Neuen Plutarch^ herausgegeben von R. 
Gottschall, I. Bd. Leipz. 1874 S. 8 f. 

2) Dafür können auch nicht Aeußerungen Luthers wie b,ei de W. 
III, 439 angeführt werden. Luther wie seine Genossen haben in merk- 
würdigem Mangel an historischem Sinne sehr bald kein klares Bild 
mehr von den Zuständen vor der Reformation. 



— 6 — 

bens" ^) sprechen. Man vergißt dabei, daß der nicht nur in 
den norddeutschen Districten, sondern allenthalben seinem Gros 
nach unsittliche und untaugliche Weltclerus eben nicht der Trä- 
ger und Förderer des religiösen Lebens war, sondern die Klo- 
stergeistlichkeit. Ihr ist es zu verdanken, daß die Kirchlich- 
keit in unserem Volke damals so weit entwickelt war, und so 
wenig ist von einem Auflösungsproceß zu verspüren, daß viel- 
mehr, insofern doch jedes wenn auch noch so irregeleitete Ringen 
nach der Gerechtigkeit vor Gott, als Religion bezeichnet wer- 
den darf, jenem Zeitalter ein so hoher Grad von Religiosität 
oder wenigstens von religiösem Bedürfniß vindicirt werden 
muß, wie er später selten und nur sporadisch nachzuweisen 
sein dürfte ^). 

Es ist nun nicht meine Absicht, hier des Weiteren von 
meinen längst noch nicht abgeschlossenen Forschungen auf 
diesem Gebiete zu handeln, sondern nur gelegentlich darauf 
hinzuweisen, um an einem anderen geringfügigeren Gegen- 
stande zu zeigen, wie vielfach die tradirten Anschauungen in 
Bezug auf Vorgeschichte und Anfänge der Reformation der 
Klärung bedürfen. Ich wähle dazu einen Mann, den Jedermann 
kennt, Friedrich ni. Koirftirsten von Sachsen, mit dem Bei- 
namen des Weisen, zu dessen Gharakterisirung und zur Klar- 
stellung seines Verhältnisses zur Reformation das Folgende 
dienen soll. 

In seiner Art hat Ranke bei seiner Darstellung der Wit- 
tenberger Unruhen vom Jahre 1522 in kurzen kräftigen Strichen 
eine treffliche Charakteristik Friedrichs des Weisen gegeben; 
was er aber über Friedrichs Stellung zu Luther und seine Kir- 
chenpolitik sagt, ist zum mindesten doch unverständlich. Denn 



1) Maurenbrecher, Geschichte der katholischen Reformation I. 
Nördlingen 1880 S. 60. 

2) Das ist das Richtige gegenüber der Uebertreibung Janssen, der 
in seinem Bestreben, in jenem Zeitalter den Spiegel reinsten, wo mög- 
lich biblischen Eircbentums nachzuweisen, dafür, worin ich das Charak- 
teristische des religiösen Lebens jener Tage und seine Intensität er- 
kenne, die Zunahme des Heiligen- und Beliquiencultus u. s. w., nur 
eine Anmerkung übrig hat. I. Bd. S. 607 fi 



- 7 — 

was heißt es zu sagen: ^Es ist die Grundlage aller Beligion, 
daß man das Heilige anerkennt, das sittliche Geheimniß der 
Schöpfung, und es nicht wagt, ihm mit den unreinen Trieben 
des Augenblicks entgegenzutreten. Darin bestand vor Allem 
die Eeligion dieses Fürsten" ^). Sollte damit die antike dettn- 
daifjbovla gemeint sein, und so scheint es fast, so müßte ich 
diese Auffassung ftir gänzlich verfehlt erklären. Von anderer 
Seite hat man Friedrich vielfach als Schutzherrn der evange- 
lischen Kirche gefeiert, während H. Rücke rt ihn wegen seines 
angeblich schwächlichen Verhaltens gegen den Reformator nicht 
den Weisen sondern „den lethargischen" nennen will und Co n- 
stantin von Höfler ihn des Treubruchs bezichtigt und ihm, 
der allen Wirren Vorschub geleistet „eine höchst elende Rolle" 
vindicirt hat ^), Mit solchen Schlagwörtern kommt man indes- 
sen nicht weiter, um mit einem Worte charakterisirt zu wer- 
den, ist Friedrich viel zu bedeutend — man wird seine Ent- 
wicklung verfolgen müssen, vor allen die Entwicklung seiner 
Kirchenpolitik. Es mag gewagt erscheinen, dieses moderne 
Wort für jene Zeit zu gebrauchen, und doch ist es berechtigt. 
Man kennt die Versuche der deutschen Fürsten, nachdem das 
Basler Concil unterdrückt war, so viel als möglich von dessen 
Reformbeschlüssen für Deutschland zu retten. Was ihnen da- 
mals formell und im Großen nicht glückte, suchten sie doch 
im Kleinen auf ihrem eigenen Territorium zu erreichen. Nir- 
gends lassen sich diese Bestrebungen besser verfolgen, als in 
Cleve^) und, Sachsen*). 

Schon im Jahre 1446 erließ Herzog Wilhelm von Sachsen 
eine Landesordnung, in der nicht unwichtige die kirchlichen 
Verhältnisse anlangende Bestimmungen getroffen werden. Ab- 



1) Deutsche Gesch. 6. Aufl. 11, 20. 

2) Adrian VI, Wien 1880, S. 291. 

3) Vgl. Varrentrapp, Herrmann von Wied. Leipz. 1878 S.27ff. 
Friedberg, Grenzen zwischen Staat und Kirche. Tübingen 1872. 
S. 60 ff. 

4) Die gegenteiligen Bemerkungen von Ludwig Keller, Ge- 
schichte der Wiedertäufer. Münster 1880 S. 50 Anm. 3, die in dieser 
Form jedenfalls nicht zutreffend sind, hätten doch belegt werden 
sollen. 



- 8 - 

gesehen davon, daß dieselbe mit sehr strengen Anordnungen 
bezüglich der Sonntagsfeier anhebt, wie ich sie kurz vor der 
Reformation nur noch einmal in Bremen ^) und Bern ^) gefun- 
den habe, wird daselbst zu wiederholten Malen bei Strafe der 
Acht verboten, vor auswärtigen Gerichten Recht zu suchen, 
oder gar weltliche Sachen vor geistliche Gerichtshöfe zu zie- 
hen 3), wird es ferner als die Pflicht und die entschiedene Ab- 
sicht der Obrigkeit hingestellt, nicht nur die Klöster zu refor- 
miren sondern auch dazu zu tun, daß die Weltpriester, sich 
priesterlich und göttlich halten , und im andern Falle dafür 
zu sorgen, daß sie zur Rechenschaft gezogen würden, „als sich 
gehöret und dasz auch selbst tun so weit wir dies zu tun haben". 
Daß man in Sachsen irgendwie zu einer Reformation der 
Weltpriester geschritten wäre, ist mir allerdings nicht bekannt 
geworden*), wohl aber hat sich die weltliche Obrigkeit die 



1) Duntze, Geschichte von Bremen III, 1. 

2) Berner Chronik des Valerius Anshelm III, 143. 

3) J. J. Müll er 's Reichstagstheatrum II, 86 ff. bes. 87 u. 89. 
Schilt er, de übertäte ecclesiarum Germaniae. Jenae 1683. 4. p. 808. 
Andere Reformationsrescripte Wilhelms bei J. S. Reinhard, meditatio- 
nes de iure Principnm Germaniae circa sacra ante tempora Reforma- 
tionis exercito. Halae 1717 p. 140 ff. 

4) Dagegen findet sich eine Spur solcher Reformationsversuche in 
Hessen, wie aus folgendem launigen Passus eines von Frankfurt den 16. Mai 
1508 datirten, von Friedrich dem Weisen an Wilhelm von Hessen 
gerichteten Briefes hervorgeht. „Ewer Hb dje welle meyner Schwestern 
ewer hausfrawen mein willig dinst sagen vnd ewr Hb darbey anzaigen 
das ich kain pfarrhe zu hessen haben wjl, dan ich bore das ir Hb den 
pfaffhen alle Ire kellerin verjagen lest, wahe ich nuhe ein frumher pfar- 
her sein suld wüst ich mich an ein frumhe kellerin ader köchin nit zu er- 
nehren ich woUd gerne ir Hb kueme in meins brudern vnd mein landt 
auch, dan syhe haben ein taylls fast scheue kechin wahe syhe ir libe dan 
verjagen werde hoffte ich, mir worden auch ein par ader ij ausz der 
beuthe gegen der lochaw, das habe ich ewer Hb alls vor aynen guthen 
schwanck fruntlicher maynung nit vorhalden wollen ewer Hb dye wellen 
das auch nit anders vormercken." Staats-Archiv zu Marburg. — Wie 
wenig Wert Friedrich auf eine Reformation der Welt^eistlichkeit 
legte, zeigt u. a. auch der Umstand, daß die Visitatoren in Unterlau- 
ter in Franken einen GeistHchen fanden, der ohne irgend welche Bil- 
dung, - er vermochte auf keine Frage zu antworten — , einst auf Für- 



- 9 - 

Reformation der Klöster besonders der Bettelklöster auf das 
Energischste angelegen sein lassen. Und hier durfte sie der 
allgemeinen Zustimmung gewiß sein. Denn wenn auch die 
Herzöge gewiß in erster Linie wie natürlich dabei das Inter- 
esse hatten, dadurch, daß sie jene Reformationen aus landes- 
herrlicher Gewalt vornahmen, ihre Territorialgewalt zu erhöhen, 
so konnten sie doch auch mit Recht die Sorge für das reli- 
giöse Wohl ihrer Untertanen als Motiv hervorheben. Demi 
wie bekannt war durch das Aufkommen der Bettclorden eine 
gänzliche Verschiebung der kirchlichen Gemeindeverhältnisse 
eingetreten. Durch das Vertrauen der Menge, die noch im- 
mer die größte Zuneigung zu den Strengen und Schroffen un- 
ter den Geistlichen hat, und durch die Freigebigkeit der Päpste, 
die klug genug waren, eine Bewegung, die ihnen leicht ge- 
fiihrlich werden konnte, durch Gunstbezeugungen in kirchliche 
Bahnen zu lenken, hatten die Bettelmönche, allen voran die 
Franziskaner, es verstanden, nach und nach sich die ganze 
cura animarum anzueignen. Hatte schon das unerhörte Privi- 
legium, an allen Orten Beichte hören zu dürfen, ihnen einen 
großen, die Tätigkeit der Weltpriester untergrabenden Einfluß 
verliehen, so war, worauf ich schon an anderer Stelle hinge- 
wiesen ^) noch ungleich bedeutsamer ein anderes, welches Bo- 
nifacius VIII. denselben einräumte, nämlich eigene Begräbniß- 
plätze bei ihren Kirchen anzulegen und jeden daselbst und in 
ihren Kirchen begraben zu dürfen, der nicht gebannt, oder 
unter dem Interdict gestanden, oder ein offenkundiger Wuche- 
rer gewesen, — ein Privileg von der weittragendsten Bedeu- 
tung. Kein anderes verband die eigenen Interessen so innig 
mit denen des Volkes als dieses. Damit war die Suprematie 
der Bettelmönche über die Weltgeistlichkeit entschieden. Denn 
es war natürlich, daß die Familien nur in den betreffenden 
Klöstern, wo sie ihre Toten begraben ließen zur Beichte gingen 
und sich Rats erholten, waren doch auch die Beichtväter der 
Füröten fast ausschließlich Bettelmönche. 



bitten des Kurfürsten zum geistlichen Amte gelangt war, weil er sein 
Erbe an die Kirche abgetreten hatte. Vgl. Burkhardt, Gesch. der 
sächsischen Kirchen- nnd Schulvisitationen. Leipz. 1879 S. 60. 

1) Tb. Kolde, deutsche Augustinercongregation Gotha S. 44 f* 
1879. 



— 10 - 

Geriet auf diese Weise die gesammte Seelsorge in die 
Hände der Mönche, welche diese auch da, wo sie keine Nieder- 
lassungen hatten, durch ihre Terminarien ausüben ließen, waren 
die Weltpriester hierdurch zu für das religiöse Leben bedeutungs- 
losen Repräsentanten des kirchlichen Gesammtorganismus her- 
abgesunken, so kam alles darauf an, inwieweit die Mönche 
ihrer Aufgabe nachkamen, inwieweit sie selbst das betonten 
und sich zu bewahren suchten , was sie vor ^en Weltpriestern 
in den Äugen der Menge auszeichnete, die Askese, die Klausur, 
die äußere Heiligkeit des Lebens, kurz inwieweit sie ihren re- 
ligiösen und kirchlichen Verpflichtungen mit peinlicher Akribie 
nachkamen. Unter diesen Verhältnissen war wirklich das 
Schlimmste zu fürchten, als auch das Mönchtum von der allge- 
meinen Verwilderung des Clerus in der Zeit des Schismas er- 
griflfen wurde und alle Versuche der Concile, dem bis an das 
Ende des 15. Jahrhunderts immer wieder beklagten Vagiren 
der Mönche zu steuern und sie zur alten Ordensstrenge zurück- 
zuführen, nicht zum wenigsten an der Abneigung der in Rom 
residirenden Ordengenerale scheiterten. Da waren es wie be- 
kannt einzelne für das mönchische Ideal begeisterte Ordens- 
männer, die, hier und da von den Ordinarien unterstützt, von 
unten herauf das zu erreichen suchten, was von oben herab 
durchzusetzen eine Unmöglichkeit schien. In den Bettelorden, 
die der bischöflichen Jurisdiction nicht unterstanden, hatte man 
doch erst dann einige Erfolge zu verzeichnen, als es gelungen 
war, die weltliche Obrigkeit dafür zu interessiren. Am ener- 
gischsten traten dafUr die Landgrafen von Hessen und die 
Herzöge von Sachsen ein. Jene Landesordnung von 1446 stand 
nicht blos auf dem Papier. Mußte auch die Ausführung der 
darin gefaßten Beschlüsse um mancherlei Verhältnisse willen 
längere Zeit anstehen, so wurde doch die Reformation der 
Klöster seit den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts in säch- 
sischen Landen sehr eifrig betrieben und zwar nicht blos die 
der Augustinerklöster, wie ich das anderwärts des Genaueren 
dargetan habe, sondern auch wenn gleich nicht mit demsel- 
ben Erfolge die der zahlreichen Klöster des Franciskaneror- 
dens, aus dem die sächsischen Fürsten ernestinischer Linie 
ihre Beichtväter zu wählen pflegten *). Herzog Wilhelm scheute 

1) Zu meinen früheren Mitteiluogeii über Andreas Proles füge 



— 11 - 

in dieser Beziehung weder Kosten noch Mühe und war von 
seinem Reformationsrecht vollkommen überzeugt ^ er spricht 
von seinen Klöstern, und wo man sich ihm widersetzte oder 
von der gezwungen eingeführten Observanz durch den General 
in Rom darin bestärkt wieder abfiel, stand er nicht an, die 
Reformation durch seine Amtleute mit Gewalt wieder einzu- 
führen; und die Päpste waren aus leicht begreiflichem Interesse 
gern geneigt, diese Neigung, die Territorialgewalt auf Kosten 
der Gerechtsame der Ordinarien und Ordensgenerale zu er- 
höhen, zu begünstigen^). 

Nicht anders verfuhren die Herzöge Ernst und Albrecht 
und zwar unter directer Bezugnahme auf die Maßnahmen Herzog 
Wilhelms. In einem Erlaß vom Jahre 1483 erklärten sie, daß 
sie wohl geneigt, die notwendige Reformation selbst vorzuneh- 
men, aber durch mancherlei andere Geschäfte daran verhin- 
dert, „biß uf Unser Widerrufen gewilligt und zugelassen ha- 
ben, dasz der Bischoff zu Numburg die Jungfrawen kloster 
under Uns in seym Bisthum gelegen durch sich oder «die sei- 
nen darzu tüchtig visitiren Ires Geistlichen und Werntlichen 
Wesens und Standes gruntlich erkunden, und wo er die ge- 
brechlich erfindet, die dan Reformiren, und mit andern Geist- 
lichen und Werntlichen Personen, als Probisten oder Vorste- 
hern nottürftiglich anrichten und bestellen mag, doch 

also das dieselben Probste ader Vorsteher alle Jar demselben 
Unsern Hern und Freunde und Uns ader beiderseit Unsern 
zugeschickten Reten oder Amptluten kundlich und redlich Rech- 
nung thun suUen und in allewege Uns an Unser Werntlichen 
Oberkeit Dinst und Gerechtickeit, die der obgenannt Unser 
liber Vetter (Herzog Wilhelm) seliger an denselben Clostem 
gehabt had unnd Wir nu haben sullen ^). 

ich hier nachtragsweise hinzu, daß derselbe eine Zeitlang Beichtvater 
des Herzogs Georg von Sachsen gewesen: „1492 bei zceyt vnnd leben 
Doctor prolos. augustiner ordens, vicarien, hat derselbige prolos szo 
vill gevleissigt, das er von ßebstlicher heylligkeyt ' deshalben Bullen 
ausbracht vnnd von vuserm gnedigen landisfursten herzog Georgius 
zon Sachsen des beychtvatter Er villeicht dye Zceyt gewest fürstlichen 
Consens Erlangett etc. Staatsarchiv zu Dresden in D. Martin 
Luthers, seiner Anhänger etc. 1517—43. Loc. 10299 f. 42. 

1) Meine Augustinercongregation S. 118 ff. 

2) J. S. Reinhard, Meditationes de Jure principum Germaniae, 



- 12 - 

Das waren die kirchenpolitischen Traditionen, die Fried- 
rich der Weise vorfand, als er im Jahre 1486 das Erbe seiner 
Väter antrat, und mit allem Eifer hat auch er das Werk der 
Klosterreformation selbst über sein Gebiet hinaus zu fördern ge- 
sucht M- Waren bei Herzog Wilhelm, soweit wir aus sei- 
nem Briefwechsel mit Proles ersehen können, wesentlich po- 
litische Motive maßgebend, so kam bei Kurfürst Friedrich 
und seinem Bruder Johann daneben doch auch das religiöse 
Interesse stark in Frage. Er war der Typus eines frommen 
Fürsten mittelalterlicher Form. Auf der Schule zu Grimma 
hat er seinen ersten Unterricht erhalten und vielleicht schon 
dort, viro sich ein blühender Convent der Augustinereremiten 
befand, die vielfach zu bemerkende Vorliebe für diesen Orden 
gefaßt. Im Grimmaer Kloster pflegte er gern unter den Mön- 
chen die Ostertage zu verleben, so noch 1520, wo er sich vom 
18—27. April daselbst aufhielt 2). Keinen Tag versäumte er 
die Messe , selbst auf der Reise oder auf der Jagd mochte er 
sie nicht entbehren. Es war nicht blos, um der herrschenden 
Sitte zu genügen, wenn er im Jahre 1493 mit großem Gefolge 
und doch nicht als Fürst sondern als einfacher Pilgrim ins 
gelobte Land zog. Es war religiöse Neigung, die ihn trieb, 
die heiligen Stätten zu besuchen, um dort Ablaß von Schuld 
und Strafe zu erlangen, welchen allein schon das Betreten des 
heiligen Landes gewährte ^). Auch e r war von dem allgemei- 
nen religiösen Taumel ergriffen, der nach der Mitte des 15. Jahr- 
hunderts beginnend, in immer krankhafterer Weise anwachsend, 
sich in Wallfahrten, Reliquien- und Heiligendienst nicht ge- 
nug tun kann und der endlich in dem Kultus der fast neuent- 
deckten heiligen Anna, der eine Zeitlang den der Maria in 
den Hintergrund zu verdrängen drohte, seinen Gipfelpunkt er- 
reichte *). Der officielle Biograph des Kurfürsten, Georg 



imprimis Saxoniae circa sacra ante tempora Reformationis exercito. 
Halae 1717 p. 130 f. 

1) Meine Augustinercongregation S. 151. 

2) Lorenz, die Stadt Grimma. 1856 ff. S. 615. 

3) Spalatins Nachlaß. Hrsgg. von Neudecker und Preller. Jena 
1851. 8. S. 83. 

4) Diese ErscheinuDg, die ohne Zweifel im engsten Zusammen- 



- 13 - 

Spalatin, hat diese Verhältnisse zwar nach Möglichkeit zu 
verschleiern gesucht, aber muß doch auch sagen „ehe er bes- 
sers bericht war, da hielt er also ob Kirchenbäuden, Zier- 
den, Heilthnm und Wallfahrten, daß es ihm wenig nicht allein 
Fürsten und Herrn, sondern auch Könige und andere leichtlich 
nachthun werden" ^), und wir haben Briefe und Urkunden genug, 
die uns auf das Ausführlichste über des Kurfürsten religiöse 
Neigungen in dieser Beziehung unterrichten. Er hat einmal 
später zu Spalatin gesagt, „er hätfs allewege dafür gehalten, 
es sollten die Sachen des Glaubens so rein sein als ein Aug" ^). 
Seine ganze Seele hing an den mittelalterlichen Formen des 
Kirchentums und „den römischen Gnaden" ^). Mochte auch et- 
was Eitelkeit dabei mit im Spiele sein, es war doch wesent- 
lich das Bestreben , Gott zu dienen und sich Verdienst zu er- 
werben, das ihn veranlaßte, das Allerheiligenstift zu Witten- 
berg von Grund aus zu regeneriren, die Stiftstellen von kaum 
20 auf 80 zu erhöhen und daselbst, um seine Residenz zur 
reichsten Fundgrube der Gnade und des Schutzes gegen alle 
Mängel und Bresten des menschlichen Lebens zu machen, die 
auserlesenste Sammlung von Reliquien zusammenzubringen, 



hange mit den durch* die bekannten Bullen Sixtus IV. von neuem in 
Fluß gebrachten Agitationen der Franciscaner und Augustiner für die 
Definirung der Lehre von der unbefleckten Empfängniß steht, wäre einer 
eingehenden Untersuchung wert. Die Andachtsbücher zu ihren Ehren 
sind, wie jedes Verzeichniß der Incunabeln zeigt, ganz außerordentlich 
zahlreich, die Zahl der zu ihren Ehren errichteten Brüderschaften wuchs 
seit 1481, wo ich sie zum ersten Mal beobachtet habe, mit jedem Jahre. 
Einiges darüben bei 6. H. Götze, de cultu Annae, Aviae Christi In 
Misniam invecto. Lips. 1702. Valerius Ans he Im, Berner Chro- 
nik von Anfang der Stadt Bern. Bern 1825 - 33 II, 476 III, 252 u. 
öfter, Tritheim, Annales bei Mencken I, 739. 405. 407. 412, so- 
wie dessen zahlreiche Schriften de laudibus S. Annae etc. Auch Hoff- 
mann von Fallersleben, Geschichte des deutschen Kirchenliedes. Han- 
nover 1854 S. 202. 472 f. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 
1874. S. 418. Eine Brüderschaft „unserer lieben Frauen Empfängniß** 
fand sich in Bern schon 1479. Vgl. Valerius Anshelm a. a. 0. 
I, 205. 

1) Friedrichs des Weisen Leben und Zeitgeschichte S. 28. 

2) ebendas. S. 39. 

3) Vgl. den Brief an Joh. v. Paltz im Anhang. 



— 14 — 

die man in Deutschland finden konnte. Es ist bekannt wie 
dieser Fürst, dessen Leben so einfach war, wie kaum einer 
seiner Zeitgenossen, der außer der Jagd nur das eine Ver- 
gnügen kannte, an der Drechselbank zu sitzen, Unsummen zu 
diesem Zweck verschwendete. Am Rhein, in den Niederlan- 
den, vor allen Dingen in Venedig hatte er seine Kommissäre, 
nm durch sie die kostbarsten Heiltümer aufkaufen zu lassen. 
Sieht man die Liste seiner Wittenberger Schätze durch ^) , so 
möchte man wohl erstaunen, daß ein so einsichtsvoller Fürst 
wie Friedrich, der die Humanisten nach Möglichkeit be- 
günstigte, mit einem Erasmus correspondirte, die literarischen 
Bestrebungen eines Aldus Manutius mit Interesse verfolgte, 
daß ein solcher Mann sich so unglaubliche Sachen aufbinden 
lassen konnte, wüßte man nicht, daß die Gebildetsten seiner 
Zeit in dieser Beziehung nicht um eine Linie anders gedacht 
haben, daß selbst so skeptisch angelegte Naturen wie Bebel 
und Conrad Celtes ihre neu gelernte Verskunst dazu benutz- 
ten , die neu erfundenen Heiligen jener Tage zu verherrlichen. 

Und in dem Lande dieses Fürsten, an seiner Universität, 
als deren Schutzgott (tutelaris Dens) ^) die Statuten der theo- 
logischen Facultät den hl. Augustin bezeichneten, lehrte seit 
1508 Martin Luther — nicht als ob ihn der Kurfürst oder 
seine Räte berufen hätten, davon konnte bei den obwaltenden 
Verhältnissen gar nicht die Rede sein : es war lediglich das In- 
teresse seines Ordens, das Staupitz veranlaßte, den jungen Ge- 
lehrten nach Wittenberg zu ziehen, wie seine zeitweilige Rück- 
versetzung nach Erfurt in den Jahren 1510 und 11 zu ver- 
fügen. 

Im Jahre 1512 wird der Kurfürst zuerst seinen Namen 
gehört haben. Ein armer Mönch, von dem die Universität sich 
etwas für die Zukunft versprechen konnte, sollte promoviren. 
Sein Generalvicar verwandte sich für ihn, und der Kurfürst, der 
einmal seine Predigtbegabung zu bemerken Gelegenheit ge- 
habt, kam für die Kosten auf. Das war Alles. Er mag ihn 



1) Vgl. Historische Erzählung der beyden Heiligthümer, nemb- 
lich .... zu Wittenberg . . das andere zu Hall durch W. Franzium 
Wittenberg 1618. 

2) Lib. decanomm. 141. . 



— 15 — 

bald aus den Augen verloren haben, um so eifriger beobach- 
tete Luther das kirchliche und religiöse Treiben des Kurfürsten 
und seines vornehmlichsten Rates Degenhard Pfeffinger, 
desselben, der wie aus seinem in Spalatins Kachlaß befindlichen 
Testamente ersichtlich, bei seinem im Jahre 1519 erfolgten 
Ableben nicht weniger als 35 Heiligen-Brüderschaften, denen 
er angehörte, Legate vermachte ^). Interessant ist hieftir eine 
Stelle aus einem Briefe Luthers vom 8. Juni 1516. „Vieles" 
schreibt er an Spalatin, „gefällt deinem Fürsten und glänzt in 
seinen Augen mit hohem Schein, was Gott mißfällt und häß- 
lich ist. Nicht als ob ich leugnen wollte, daß er in weltlichen 
Bestrebungen von allen der Klügste ist, aber was göttliche 
Dinge und das Heil der Seele anbelangt, möchte ich ihn bei- 
nahe siebenfach blind nennen zugleich mit deinem Pfeffinger". 
Er will das nicht blos im Geheimen gesagt haben, /sondern 
ist gern bereit bei passender Gelegenheit es beiden ins Ange- 
sicht zu sagen. Indessen hat Spalatin von diesen Aeußerun- 
gen keinen Gebrauch gemacht, vielmehr im Gegenteil Luthers 
Tätigkeit vor dem Kurfürsten bald darauf zu rühmen gewußt, 
so daß dieser dem Fürsten eine wohlbekannte Persönlichkeit 
war, als er seine Sätze gegen den Ablaß veröffentlichte*). 

Am Abend vor Allerheiligen, an welchem Tage Geistliche 
und Laien von weit her in Wittenberg zusammen zu strömen 
pflegten, und die in der Stiftskirche aufgehäuften Schätze zu 
besuchen um dadurch reichlichen Ablaß zu verdienen, schlug 
Luther seine Sätze gegen den Ablaß an, — in der Tat es wäre 
nicht verwunderlich gewesen, wenn Friedrich durch die Wahl 
gerade dieses Tages und dieses Ortes sich persönlich verletzt 



1) Siehe ihr Verzeichniß unter den Beilagen. 

2) De Wette 1, 24 f. Man sieht aus dieser wenig beachteten Stelle, 
daß Luther sich doch schon damals sehr seines Gegensatzes zu dem 
Heiligen- und Reliquiendienst des Kurfürsten bewußt war, denn nur 
darauf kann sich dieser Aussprach beziehen. Die gleich darauf bespro- 
chene Angelegenheit mit Staupitz ist nur ein Beleg für seine Ansicht. 
Vielleicht bezieht sich auch die Notiz Luthers über den Unwillen des 
Kurfürsten über seine Predigt gegen das Ablaßnehmen auf diese Zeit 
Erl. Ausg. 26, 51. cf. Op. var, arg. I, 167 ff. 

3) De W. I, 44. 



- 16 - 

gefühlt und den kühnen Mönch, der seine Schätze entwer- 
tete ^ zur Rechenschaft gezogen hätte. Dagegen wußte Luther 
bereits ein halbes Jahr danach, als ihm schon Gefahr drohte, 
der Ketzerproceß von Rom aus, Nachstellungen von allen Seiten 
zumal auf der Reise zum Äugustinercapitel nach Heidelberg zn 
fürchten waren, daß der Kurfürst sich seiner annehmen, seine 
Abführung nach Rom nicht dulden werde. Aber wenn Luther 
darin „eine wunderbare Neigung zu seiner Theologie" erblickte ^), 
so war dies eine Täuschung oder beruhte auf tibertreibenden 
Berichten Spalatins. Die Motive lür seine Zuneigung zu Lu- 
ther drückt der Kurfürst deutlich genug aus in seinem Briefe 
an Staupitz vom 8. April 1518 worin er schreibt: Weyl Ir 
vns doch hie vor angetzeigt, das Ir vns einen aigen Doctor 
an diesem man zciehenn wolt an dem wir den fast gut gefal- 
len etc. ^). Es war lediglich das Interesse an dem Aufschwung 
seiner Universität, sein Gerechtigkeitsgefühl, das Luther nicht 
unüberführt seinen Feinden in die Hände liefern wollte, schließ- 
lich wohl auch die durch die Tradition hervorgerufene üeber- 
legung, daß es unpolitisch sei, Luthers Sache wo anders als 
in deutschen Landen vornehmen zu lassen, was sein ganzes 
Handeln bestimmte. Darüber hinaus ist er, so weit ich sehe, 
nie gegangen. 

Verfolgen wir die einzelnen Momente seines Verhaltens in 
Luthers Angelegenheit. Als Luther im Sommer 1518 seine Ci- 
tation nach Rom erhalten hatte, kam er zum ersten Male in 
die Lage, den Schutz. des Kurfürsten anzurufen, und es ent- 
sprach durchaus den Anschauungen desselben, wenn er die- 
sem schrieb, daß es die Ehre der ganzen Universität erfor- 
dere, beim Papste es durchzusetzen, daß seine Sache in deut- 
schen Landen zur Verhandlung, komme ^). Eine persönliche 
Protection seiner Sache sollte damit noch nicht ausgesprochen 
sein, was Luther mehrfach betonte und der Kurfürst hatte 
allen Grund, öich auf das Entschiedenste dagegen zu vetwahren. 
Er durfte mit Recht gegenüber den Anschuldigungen der Rö- 

1) De W. I, 98. 

2) Augustinercongregation 8. 314. 

3) Der Brief an den Kurfürsten selbst nicht erhalten vgl. jedoch 
über den Inhalt De W. 1, 131 ; dringender mit Betonung desselben Ge- 
dankens S. 175. 



- 17 - 

mischen Unterhändler jetzt wie später von sich aussagen^ daß 
er sich niemals unterfangen hätte, .irgendwie für eine Lehr- 
meinang Luthers eingetreten zu sein, nur gegen Vergewaltigung 
desselben in seinem Rechte, vor unverdächtigen, zuständigen 
Richtern, denen er sich zu stellen bereit sei, verhört zu wer- 
den , wollte er ihn schützen und das sah er als seine landes- 
herrliche Pflicht an ^). Dabei verfolgte er doch aufs Eifrigste 
den Gang der Ereignisse, oft nicht ohne Bangen und mit dem 
Wunsche nach einer weniger aggressiven Sprache Luthers. 
Spalatin mußte ihn über Alles unterrichten. Von höchstem 
Interesse waren ihm besonders die Verhandlungen bei der 
Leipziger Disputation. Er konnte ungeduldig werden, wenn 
die Berichte nicht rechtzeitig einliefen 2). Er freute sich, wenn 
angesehene Männer die Bücher seines Wittenberger Professors 
lobten, er kaufte auch selbst Schriften von ihm, um sie zu 
verschenken ^), und es konnte ihn nur in seinem Verhalten be- 
stärken, wenn ein Mann von solchem Ansehen wie Erasmus 
ihm schrieb: Wie es E. 6. Sache ist, die christliche Religion 
durch Eure Frömmigkeit zu schützen, so ist es Aufgabe Eurer 
Klugheit, so lange Ihr der Schützer der Gerechtigkeit seid, 
(te iustitiae praeside) nicht zuzulassen, daß irgend ein Un- 
schuldiger unter dem Vorwande der Frömmigkeit der Unfröm- 
migkeit Einiger tiberliefert werde. Das will auch Papst Leo, 
dem nichts mehr am Herzen liegt, als daß die Unschuld sicher 
sei*). Daß man aller Orten besonders nach Luthers Rückkehr 
von Augsburg davon sprach und schrieb, daß Luthers Freimut 
nur auf den Rückhalt, den er beim Kurfürsten habe, zurückzu- 
führen sei, war ihm dem gehorsamen Sohne des apostoli- 
schen Stuhls im höchsten Grade unangenehm ; die Herausgabe 
der Augsburger Verhandlungen hätte er gern gehindert, wie 
später noch Manches, und einen Augenblick war er es zufrie- 
den, daß Luther sich einen andern Wohnsitz suchen wollte. 



1) Op. varii arg. 11, 351. 409. 

2) Vgl. den Brief Spalatins an Vitus Warbeck in C. Schlegel, 
vita Spalatini p. 203 f. cf. Amsdorf an Spalatin bei Löscher, Befor- 
mationsacten III, 238. 

3) Lorenz, die Stadt Grimma I, 615. 

4) Op. varii arg. 11^ 459. 



- 18 - 

aber doch nur einen Augenblick: gleich darauf ließ Qr ihm 
durch Spalatin den entschiedenen Wunsch ausdrücken, daß er 
bleiben solle ^), wahrscheinlich auf Grund eines Verwendungs- 
schreibens von Seiten der Universität. Deren Gründe eignete 
er sich an, wenn er in seinem Rescript an Cajetan vom 8. Dez. 
es ablehnte, Luther nach Rom zu schicken oder ihn zum Nach- 
teil seiner Universität zu verjagen, da trotz mehrfacher Bitte 
darum noch Niemand nachgewiesen, daß Luthers Lehre un- 
christlich sei ^). Nachdem er einmal diese Stellung eingenom- 
men, ließ er sich weder durch päpstliche Gunstbezeugungen wie 
die goldene Rose noch durch erneute briefliche Mahnungen 
irre machen; auch die Versuche, durch seine Umgebung be- 
sonders durch den einflußreichen Pfeffinger auf ihn einzuwir- 
ken ^) , waren erfolglos. Die Ausgleichsverhandlungen mit 
Miltitz förderte er formell so weit er vermochte, was wie eine 



1) De W. I, 194. 195. Nach einem nicht abgeschickten von Spa- 
latiDs Haod herrührenden Schreiben srn Hadrian (1523) hätte allerdiogs 
Miltitz den EurfUristen ganz besonders veranlaßt, Luthern im Lande zu 
behalten : „Nu hett ich mich des Luthers sachen lere schrifft vnd pre- 
dig zuuortreten nye vnternommen , auch noch nicht, Sonder solichs 

. alles in seynem .wordt vnd bey seyner Verantwortung gelassen, So hett 
ich auch den Luther, alszbald er von Augspurg widerkummen ans 
meinem furstenthamben vnd Landen wollen lassen kummen, mit im 
auch derhalben lassen handeln, welchs auch der Luther damals zuthun 
vnd sich aus meinen Landen zuwenden bewilligt als were her Karl 
von Miltitz die zceit Bebstlicher Nuncius zu mir kummen und hett 
mich mit großem yleis gebeten , Ich wolt den Luthern nicht weg kum- 
men lassen. Daran wurd ich dem ßabst ein großen vnd gefeiligen 
dienst ertzeigen. Dan solt der Luther an andere ende kummen, so 
mochten die ding vil weitleufftiger vnd erger werden". (Weim. Arch. 
Reg. 0. p. 74. F. F. 2.) Indessen stimmt das nicht mit der Chronolo- 
gie. Jene Weisung >an Luther, in Wittenberg zu bleibe, war schon 
vor Miltiz' Ankunft in Sachsen an Luther ergangen. Vgl. De Wette I, 
194 f. mit Seidemann, Miltitz S. 6 f. 

2) Opera varii arg. II, 426 f. Spalatins Annalen 2 ff. 

3) Vgl. Seidemann, Karl von Miltitz. Dresden 1844 S. 6 f. 
Ob Pfeffinger darauf eingegangen ist, was man vielleicht aus Luthers 
Abneigung gegen ihn und seinem bigotten Wesen schließen könnte, 
läßt sich mit Sicherheit nicht sagen. Jene Abneigung könnte auch 
in dem Geize des reichen Mannes ihren Grund haben, cf. De W* I, 
283 u. öfter. 



- 19 - 

persönliche BeeinflassuDg aussehen konnte ; vermied er indes- 
sen, ja ein schon an Leo X. gerichtetes Antwortschreiben 
schickte er nicht ab, um nicht den Schein zu erregen, als ob 
er sich für ihn verwenden wollte ^). Auf welch gefährlichen 
Punkt Luthers Sache durch die Leipziger Disputation angekom- 
men, erkannte man am Hofe sehr wohl, dagegen einzuschrei- 
ten sah man aber keine Veranlassung, zumal Luther an Spala- 
tin schreiben konnte, daß die Zahl der Studenten in ganz 
außerordentlicher Weise zunähme ^). Daran konnten auch die 
Verdächtigungen Ecks nichts ändern. Luther blieb dem Kur- 
fürsten die Zierde seiner Universität, dessen Schriftauslegung 
er schätzte und nicht ungern las, ohne daß er sich doch in sei- 
nem eigenen kirchlichen und religiösen Handeln dadurch hätte 
beeinflussen lassen ^). Luthers schöne Trostschrift Tesserade- 
kas, in der er vierzehn fromme Betrachtungen den vierzehn Not- 
helfern, an die man sich sonst zu halten pflege*), gegenüber 
stellt, ließ er sich gern gefallen, aber er blieb bei seinen Hei- 
ligen und Reliquien und fragte außerdem seine Sterne^). 

Diese zurückhaltende und abwartende Stellung des Kur- 
fürsten sollte bald auf eine harte Probe gestellt werden. Brachte 
es ihn schon in Verlegenheit, daß sein Vetter Georg von 
Meißen ihm die Besorgniß aussprach, Luther möchte durch seine 
Aeußerungen über den Laienkelch den allseitig verhaßten Böhmi- 



1) Seckendorf I, 62'f. 

2) De W. I, 261. 278. 

3) De W. I, 223i Vgl. des Kurf. Aeußerung über das Schriftwort 
De W. I, 244. Ende Sept. beschenkte er Luther mit Wildpret. Brief des 
Kurf. an Spal. vom 29. Sept. 1519 : „Wir haben eur Schreiben vernom- 
men vnd dasz doctor Martinas des Wiltpret vnd Earlstat vnserer Gabe 
sich bedanckt gerne gehört. Weim. Arch. Reg. 0. p. 137—40. D.D. 6. 
Weitere Geschenke De W. I, 364. 369. 383. Eben damals wollte der 
Kurfürst neue Ceremonien zur Gedächtnißfeier der Passion Christi in 
der Stiftskirche einrichten, womit Luther sehr wenig zufrieden war. 
De W. I, 306. 325. 

4) De W. I, 411. Op. var. arg. II, 88. 

5) Friedrich der Weise war ein eifriger Astrologe. In seinem Auf- 
trage führte Spalatin einen sehr regen Briefwechsel mit dem Astrolo- 
gen Johannes Vollmer. Ders. im Arch. zu Weimar. Reg. 0. pag. 88 
M. Ib. 

2* 



-so- 
schen Ketzern Vorschub leisten^), so geriet der ganze Hof 
in die größte Besorgniß; als Luthers Verurtheilung immer näher 
rückte. Nach einem im Archiv zu Zwickau befindlichen Schrift- 
stücke wurde Spalatin kurz nach Ostern 1520 vom Kurfürsten 
nach Wittenberg geschickt, um mit den dortigen Rechtsgelehrten 
über alle Eventualitäten zu beraten. Man fürchtete allen Ern- 
stes ^ daß nicht blos Luther, sondern mit ihm der Kurfürst und 
die Universität von der Excommunication betroffen ja die ganze 
Stadt mit dem Interdict belegt werden dürfte. Umgehend, in- 
nerhalb eines Tages sollten die Rechtskundigen, Christian 
Bayer, der spätere Kanzler, Hieronymus Schürf und der 
Probst des Stiftes sich darüber gutachtlich äußern, wie man 
sich in einem solchen Falle zu verhalten babe^j. Leider habe 
ich diese Gutachten nicht auffinden können. Jedenfalls hat 
man sich bald wieder beruhigt und sich auch nicht beirren las- 
sen, als die Kurie auf Ecks Drängen Anfangs Juli 1520 von 
Neuem Luthers Festnahme oder Vertreibung forderte ^). 

In rascher Aufeinanderfolge vollzogen sich dann die gro- 
ßen Ereignisse vom Sommer und Herbst 1520, Luthers Schrift 
an den Adel, von der babylonischen Gefangenschaft, der Rich- 
terspruch Roms in der Bannbulle. Der Kurfürst war abwe- 
send, als Eck mit der Bannbulle ins Land kam; auf der Reise 
zur Krönung Karls erhielt er Kunde davon. Luther beeilte 
sich, dem Kurfürsten den Wunsch auszudrücken, er möchte so 



1) Die darauf bezügliche Korrespondenz des Kurfürsten und Her- 
zogs Georg, Löscher III, 920. Walch XV, 550. cf. De W. I, 338 f. 
Die Aufgeregtheit am Hofe ergiebt sich anch aus Luthers Briefen I, 
416 ff. Gerade an diesem Zeitpunkte muß man mehr als sonst bedauern, 
daß die Briefe Spalatins an Luther bis auf einige wenige voUständig 
verloren sind. Unter den hunderten von Spalatinbriefen , die mir zu 
Gesicht gekommen, fand sich auch nicht ein einziger an Luther. 

2) Siehe im Anhang den Brief Spalatins an Christian Bayer. Am 
17. April schreibt Mel. an Joh. Heß: Bumore vulgi et probabili qui- 
dem iactantur hie dirae Pontificiae, quibus Martinas dicitur devoveri. 
Nos omnia ingenti animo expectamus. Corp. Ref. I, 160 cf. 163. 

3) Spalatini annales bei Mencken II, 601. Melanchthon schreibt: 
Bespondit illi Princeps acute pro ingenio suo. ^ostitoy neid-ovg ^O^va- 
aia, Corp. Bef. I, 209. Ist die Antwort, auf die Luthers Batschläge 
DeW. 462 f. 469 f. von Einfluß gewesen sein werden, noch vorhanden? 



- 21 — 

wenig als möglich Notiz davon nehmen ^). Das entsprach 
seinen eigenen Neigungen 2). Indessen nötigten doch die verän- 
derten Verhältnisse der ganzen Angelegenheit näher zu treten. 
Konnte man auch rechtliche Bedenken gegen die Bulle haben 
zuletzt noch gegen die Art ihrer Insinuation, so war es doch 
töricht, wie Luther einen Augenblick wollte, sie deshalb als ge- 
fälscht betrachten zu wollen. Die päpstlichen Legaten zöger- 
ten nicht; sich dazu zu bekennen. Es kam nun Alles darauf 
an, wie der neue Kaiser sich dazu stellen werde. Bis jetzt 
hatte mad^ es nur mit der Kurie zu tun gehabt. Würde man 
auch im Stande sein, falls der Kaiser dem päpstlichen Dekret 
beitreten würde, die bisherige Politik inne zu halten? 

Der Hochmut der päpstlichen Legaten, die sarkastischen 
Aeußerungen des Erasmus über den ganzen Handel erleichter- 
ten dem Kurfürsten die wohlerwogene Antwort auf die Forde- 
rungen derselben, Luthers Schriften verbrennen zu lassen, ent- 
weder selbst an ihm die Strafe zu vollziehen oder ihn an Rom 
auszuliefern. Neben der Versicherung, daß er sich stets be- 
flissen, ein frommer und gehorsamer Sohn der Kirche zu sein, 
machte er zunächst auf die Ungehörigkeit aufmerksam , daß 
die päpstliche Kurie neben Aleander noch einen zweiten 
Nuntius, Johann Eck, in dieser Angelegenheit bestellt habe, 
der sich unterstanden, in des Kurfürsten Abwesenheit, wider 
den Inhalt der Bulle noch andere neben Luther damit zu be- 
schweren. Er wisse nicht, was während seiner Abwesenheit 
auf so beschwerliche Handlung von seinen Untertanen vorge- 
nommen sein niöchte. Es möchten wol Manche Luthers Ap- 
pellation anhängig geworden sein. Mit D. Martini Sachen habe 
er weder früher noch jetzt etwas zu tun gehabt. Nur wegen 

1) So ist doch wohl De W. I, 495 zu verstehen: Nee quid Prin- 
cipi faciendum sit scio, nisi quod dissimulari mihi hie Optimum videtur. 

2) Nicht so seine Räte: Fabian von Feilitzsch fordert Freitag 
nach St. Lucas dem Evangelisten (19. Oct.) denPraceptor des Antoniter- 
hauses in Lichtenberg Wolfgang Beißenbusch auf, da der Bann 
gegen Luther seinen Fortgang nehme, die Zeit 'verfließe und überdies 
Luther im Lande bliebe, daß nicht allein die Universität und 
Landschaft, sondern auch der Kurfürst damit ins Spiel käme, mit Lu- 
ther zu reden, ob er Wege anzuzeigen wüßte, wie die Sache anzustel- 
len sei, damit der Kurfürst unbeschwert bliebe. Weimar. Arch. Reg. 
N. p. 111 H N. 43. 2. 



- 22 - 

der Zusammenkunft mit Gajetan habe er mit ihm unterhan- 
delt, ebenso wegen des Schiedsrichteramtes, das der Erzbi- 
schof von Trier tibernehmen sollte. Es gebe Leute und zwar 
christliche und hochgelehrte, welche der Meinung seien, Lu- 
ther wäre durch widerwärtiges Schreiben der Gegner seinerseits 
zum Schreiben veranlaßt worden, was er jedoch dahin gestellt 
sein lassen wolle. Indessen sei er weder vom Kaiser noch 
von sonst jemand berichtet, daß Martini Schriften dermaßen 
tiberwunden seien, daß sie verbrannt werden müßten. Im an- 
dern Falle könnten die Legaten dafür halten, daß er tun 
wtirde, was ihm als gehorsamen Sohne der Kirche zukäme. 
Deshalb wiederhole er seine Bitte, Luthers Sache gelehrten, 
frommen und unverdächtigen Richtern zu tiberantworten ^). 

Gewiß nicht ohne Grund hatte man auch des Kaisers in 
dieser Antwort Erwähnung getan. Die Legaten eilten, dem 
Kurfürsten diese Waffe zu entwinden. Luthers Bücher waren 
wie bekannt in des Kaisers Erblanden längst an verschiede- 
nen Orten verbrannt worden. Ein Verbrennungsedict des Kai- 
sers für das Reich, wie die Legaten es wünschten, war jedoch 
nicht so ohne Weiteres zu erlangen. War auch Karl V. persön- 
lich dazu geneigt, so hatte er doch hier, wie ich an anderer 
Stelle nachgewiesen, die alten Concordate zu respectiren, die 
eine Berufung auf ein Concil unzweifelhaft gestatteten ^). AucTi 
hatte er Ursache , auf Friedrich von Sachsen Rücksicht zu 
nehmen. Und wenn dieser vom Kaiser verlangte, er solle 
nichts ohne Verhör gegen Luther vornehmen, so war dies 
noch keine Parteinahme für denselben, sondern lediglich ein 
Recurs auf die Rechtsordnung des Reichs, für die der Kur- 
fürst auf manchem Reichstag eingetreten war. Noch während 
des Aufenthalts zu Köln hatte der Kurfürst mit dem kaiserli- 
chen Minister Herrn von Chievres gewisse Maßnahmen in 
Bezug auf die Behandlung der Sache vereinbart*), als man aber 
trotzdem Luthers Schriften in Köln, ohne daß der Kaiser es 
hinderte, verbrannte, sah dies der Kurfürst als eine persön- 
liche Beleidigung an*). Er lehnte es jetzt ab, wie der Kaiser 

1) Spalatins Asnalen S. 15 ff. 

2) Luthers Stellung zu Concil und Kirche. Güterslohe 1876. S. 92. 

3) Spalatins Annalen S. 19. 

4) ibid S. 20. AnHerrn v. Chievres: Ich bin aber bericht, das 



— 23 — 

gewünscht, Luther nach Worms mitzubringen oder auch die 
Verantwortung dafür zu übernehitien, daß Luther in der Zwi- 
schenzeit nichts gegen den päpstlichen Stuhl schreibe^). 

Das Weitere ist bekannt. Nicht als Untertan des Kurfür- 
sten, sondern vom Kaiser gerufen, vom kaiserlichen Herold 
geleitet kam Luther nach Worms. Seine Sache war zur 
Reichssache geworden. Und nur als ßeichsftirst nicht als Lu- 
thers Landesherr beteiligte sich der Kurfürst an den Verhand- 
lungen über seine Sache und trat für eine den hergebrachten 
Rechten entsprechende Behandlung der Frage ein 2), daß er 



desselben Luthers Bücher sind bey Kay Mät, eh ich abgeschiedenn, 
zu Colen Meintz vnd andern endenn vnd vnuerhort vnnd mit der heyligenn 
schrifft vnvberwundenn verprent sein sollenn. Weyl dann solches also 
bescheen, des ich mich doch auf die vnderthenig bitt, die an Kay 
Mayt ir von meiner wegen gethann , vnnd auf der Bebstlichenn pot- 
schafft erbieten nit versehenn, sondern viel mer verhofft, wo Luther 
nicht hett angesehen werden wollen, meyn solt doch in dem ver- 
schont wurden sein etc. 

1) Tentzel, bist. Bericht I, 450 ff. Spalatins Annalen S. 20 f. 25 f. 

2) Mehr geht doch auch aus dem jedenfalls sehr zu Ungunsten des 
Kurfürsten gefärbten Berichten Aleanders nicht hervor. Vgl. Job. Fried- 
rich, der Reichstag zu Worms im Jahre 1521 nach den Briefen des 
Aleander etc. in den Abhandlungen der historischen Klasse der Königl. 
bairischen Akademie. Bd. XI, 3. Abth. Auch bei den stürmischen 
Verhandlungen, bei denen es nach dem übrigens ganz allein- stehenden 
Berichte des Aleander beinah zu einem Handgemenge zwischen Fried- 
rich nnd Joachim von Brandenburg gekommen sein soll, (tutta uolta li 
Principi per sette giorni consultarano con tanta controversia che el 
Duca Saxone el Marchese Brandenburgh uennero quasi ad manus et 
sarebbo fatto se non se fossero de meggio Saltzburgh, et altri che vi 
erano quod a primordiis Electoratus ad haec usque tempora dicono 
tutti mai esser piü accaduto con stupore omnium et pericolo di qual- 
che gran tumulto. ebendas. S. 105 und weiter unten: £1 Saxone et il 
Palatino obstantissimi insieme che faceuano cose da pazzi uscirono 
fuora- gridando non obstante, che doueuano sequi pacifice pluralitatem 
uotorum sui Collegii) handelte es sich um die reine formelle Frage, ob 
der Kaiser sein für seine eigenen Länder erlassenes Edict ohne Wei- 
teres auch über das Reich ausdehnen dürfe. Uebrigens bedürfte die 
Glaubwürdigkeit der Aleanderschen Depeschen einer eingehenden Un- 
tersuchung. Daß er zuweilen sehr stark aufträgt und übertreibt, scheint 
mir unzweifelhaft. Vgl. allein seinen selbstgefälligen Bericht über 



^ 



— 24 - 

irgendwie persönlich für ihn sich verwendet hätte, hören wir 
nirgends. Nur in öffentlicher Reichsversammlung hat er ihn 
gesehen, nie hat er ihn gesprochen. 

Man hat ihn deshalb gescholten, so schon die Zeitgenos- 
sen. Eine Flugschrift aus jenen Tagen stellt ihn als den den 
Herrn dreimal verleugnenden Petrus dar ^). So könnte man 
doch nur urteilen, wenn man die Vorstellung hätte, daß er 
schon innerlich von der Wahrheit von Luthers Lehre tiber- 
zeugt war. Dies ist indessen eine gänzlich irrige Anschauung. 
Eine merkwürdige Erscheinung dieser Fürst. Ein stilles in 
sich gekehr'tes, friedfertiges Gemüt, war er wie gesagt der 
Frömmsten einer, die die damalige Christenheit aufzuweisen 
hatte. Ihm war es Ernst mit seiner Seelen Seligkeit, mit der 
Wohlfahrt der Kirche und der Förderung inniger mittelalter- 
licher Frömmigkeit; auch er wünschte dringend eine Reforma- 
tion der Kirche an Haupt und Gliedern , aber doch in jener 
äußerlichen Form, die in den erasmischen Forderungen typisch 
geworden ist 2). Er las gern die heilige Schrift, ebenso Lu- 
thers Schriften; noch auf der Fahrt nach Worms ließ er sich 
auf dem Wagen von Spalatin daraus vorlesen ^), Indessen ge- 
lang es diesem kaum, seinem Herrn ein tieferes Verständniß von 
der inneren Verbindung von Luthers religösen Sätzen und sei- 
nen kirchlichen Forderungen beizubringen. Er hatte eine hell- 
dunkle Ahnung davon, daß vieles, sehr vieles in Luthers Schrif- 



seine Rede vom 13. Febr. (Friedrich 101 ff.) und Drucks Berichter- 
stattung (bei Förstemann, neues Urkundenbuch. Hamb. 1842 S. 27 f. 
Dazu meine Schrift: Luthers Stellung zu Concil und Kirche. Gütersloh 
1876. S. 95 ff.). Auch das „gridando" in der oben angegebenen Stelle 
(Nach Höfler Hadrian VI, S. 54 hätte er „getobt, ja gebrüllt wie 
zehn Stiere" (Ü), will wenig zu Friedrichs Wesen passen, dem huomo 
tacito et coperto che non dice ranimo suo (Joh. Friedr. a. a. 0. S.94). 

1) „Ain schöner newer Passion" bei Schade, Satiren und Pas- 
quille etc. II, 9 und auch Spalatin sucht seinem Herrn vielfach wegen 
seines Zaudems zu entschuldigen, was sich frelich aus der Tendenz 
seiner Geschichtschreibung erklärt. 

2) Die Schwächen des Erasmus übersah er übrigens nicht. Später 
äußerte er einmal zu Spalatin: „Wenn eyner des Roterdams schrifften 
vnd bucher lang lesz, so wüst er nicht wo er sein warten solt." 8pa- 
latins Annalen S. 29. 

3) ebendas. S. 39. 



- 25 - 

ten christlich sei^). Schon deshalb durfte man den Mann 
nicht verderben lassen ^ aber alle die schweren Anklagen ge- 
gen das bisherige Eirchentum als gerechtfertigt anzuerkennen, 
auch da, wo er ihre religiösen Prämissen anerkannte, dazu 
war er doch ein zu guter Sohn der Kirche. Was ihm an Lu- 
ther imponirte, war vor allem seine gewaltige Persönlichkeit, die 
so Großes wagte, was ihn für denselben einnahm, in erster 
Linie, und das muß immer wieder hervorgehoben werden, doch 
der Umstand, daß er sein Professor war, der Mann, dessen 
Tätigkeit sein Kleinod, seine Universität ihren Buhm und ihr 
Ansehn verdankte, und der doch Qicht so schlimm sein konnte, 
wie ihn seine gereizten Gegner hinstellten, wenn auch noch 
nach seiner Excommunication, wie ihm Spalatin berichten 
konnte, gegen vierhundert lernbegierige Studenten seine Vor- 
lesungen besuchten*^). 

Nirgends zeigt sich diese Stellung klarer, als wenn man 
sie mit der seines Bruders des Herzogs Johann, des nach- 
maligen Kurfürsten Johann des Beständigen vergleicht, wie 
wir sie aus dem Briefwechsel der beiden Brüder während des 
Wormser Reichstages entnehmen können , den uns das Archiv 
in Weimar aufbewahrt hat. Während der Kurfürst nicht viel 
mehr als ein wohlwollendes Mitleid hat für den verfolgten 
Mönch, den man ihm vertreiben will, dessen Sache in der 
Hand Gottes ist, der die Wahrheit an den Tag bringen wird, — 
Aeußerungen, die nur durch Anfragen und Auslassungen Herzog 
Johanns hervorgerufen sind ^), so tritt dieser schon rtickhalts- 



1) Vgl. sein Urteil über Luthers Schrift an den Adel. Förste- 
rn ann, Neues Urkundenbuch S. 2. 

2) Vgl. den Brief Spalatins an den Kurfürsten Ende 1520 bei Mu- 
ther, Aus dem Universltäts- und Gelehrtenleben im Zeitalter der Re- 
formation. Erlangen 1866. S. 429. 

3) Donnerstag in der heiligen Ostern 1521 (4. Apr.) schreibt Jo- 
hann: „Es ist auch mein freuntliche bitte an e. 1., e. 1. wolle dan fro- 
men man martinum in geneidigen beuel haben auch die andern für- 
sten von meim wegenn freuntlichen bitten Innen Martinum auch genei- 
diglichen beuollen lassen sein.^ Darauf antwortet Friedrich dem Bru- 
der am S.April: „Ich be£^nd, das dye bischoff vnd Cardynel fast wi- 
der martinum seyn, got schicke es zum besthen. man had mir auch 
geszaget das ffyl selczamer hendel in der beicht vorgeffalhen, got 



- 26 - 

los für Luther ein, sucht den Bruder dafür zu bestimmen; und 
wesentlich seinem Einfluß dürfte es zuzuschreiben sein, wenn 
der Kurfürst sich schließlich bewegen ließ, Luther in schützen- 
den Gewahrsam zu nehmen. 

Der Gedanke war nicht neu, schon Anfang December 1518 
rieth man Luthern in Wittenberg, er möge sich dem Kurfür- 
sten in Gefangenschaft geben, damit dieser dem Legaten (Cajetan) 
schreiben könne, Luther sei gefangen, man halte ihn in sicherem 
Gewahrsam bis zu seiner Verantwortung ^). Was jetzt den 
letzten Anlaß zur Ausführung des Planes gegeben hat, wissen 
wir nicht; ohne Zweifel sind nach Friedrichs Art lange Beratun- 
gen vorangegangen. Fraglich ist nun, welche Motive dabei maß- 
gebend gewesen sind. ' Wenn man meint, Luthers Glaubenssätze 
hätten dem Kurfürsten das Herz abgewonnen ^), so muß ich das 
entschieden in Abrede stellen: für diese Tradition fehlt jegli- 
cher Beweis, dagegen sprechen die deutlichsten Zeugnisse. 
Auch in diesem Punkte galt der Schutz, welchen er Luthern 
angedeihen ließ, seiner Person, nicht seiner Sache. „Man 



welle das syhe est mit Irer apsolucion gud machen. — weld got ich . 
kund m artin um zcu der byllickaid was gutes ausz richten, esz seid 
an mir nicht mangelhaben**. und am 24. April. „Werhe esz in meynem 
vormiigen, szo werhe ich gansz wjllig martinus was er fngk had 
zcu verhelffen aber e. 1. glaube mir, das man Ime allszo zcu seczett 
vnd von leuthen, dar ab sych e. 1. verwondern werden, ich acht man 
wird Inen verjagen vnd vertreyben vnd wer sych nuhen mercken lest, 
das er doctor martinus gndts gan, der ist ain keczer, got fuge esz 
zcu besthem** etc. Letzteres bei Förstemann, ürkundenbuch I, 14, 
15. die Briefe Johanns, aus dem Ernest. Gesammtarchiv zu Weimar 
(Reg. N. p. 46. Nr. 4. 10), die Förstemann unbegreiflicherweise nicht 
mit edirt hat, im Anhang, lieber Johanns Stellung zu Luther vgl. auch 
den Brief Herzog Johann Friedrichs an Luther und den darin mitge- 
teilten Brief seines Vaters von Köstlin, Martin Luther I, 399. fälsch- 
lich auf Friedrich bezogen, ein Irrtum, den freilich schon Luther 
selbst begangen hat, De W. I, 544. Burkhardt, Luthers Briefwech- 
sel S. 35 f. 

1) Institerunt nonnulli magno hortatu, ut Principi nostro me in 
captivitatem darem et ipse acceptum alicubi servaret scriberetque D. 
Legato, me captum et sistendum in loco tuto ad respondendum. Lu- 
ther an Spalatin 2. Dez. 1518. De W. I, 189. . 

2) So Köstlin I, 436. 



- 27 - 

wird mir den Mönch vertreiben", das ist der stehende Aus- 
druck seiner Sorge in seinen Briefen an seinen Bruder. Und 
dieser Mönch, die Zierde seiner Universität, war sein Unter- 
tan. Auch wenn er seine Lehre nicht zu der seinigen machte, 
empfand der Kurfürst doch von Anfang an auch gegenüber 
der öffentlichen Meinung als Landesvater eine gewisse mora- 
lische Verantwortlichkeit dafür, daß ihm nicht wider Recht 
und Billigkeit ein Haar gekrümmt würde ^). Die Zumutung, 
Luthern selbst nach Worms zu citiren, lehnte er mit der Be-. 
merkung ab, er müßte üble Nachrede für sich befürchten, „wo 
Luthern etwas Beschwerliches und Nachteiliges unterwegen zu- 
stünde". Ueber Wahrheit und Unwahrheit von Luthers Lehre 
maßte er sich zwar kein Urteil an , aber er mochte auch in 
Zweifel sein, ob der Reichsversammlung, in der nicht nur 
„Hannas und Kaiphas sondern auch Herodes und Pilatus" ge- 
gen ihn eiferten, gezieme, zumal in der Weise wie die Sache 
gehandhabt wurde, ein endgültiges Urteil über ihn auszuspre- 
chen, über einen Mann, dessen Reformgedanken doch so viele 
treffliche Männer billigten und der an ein Concil appellirt 
hatte. Konnte er es nicht hindern, so fragte es sich doch, ob es 
ihm nicht zustünde, seinen Untertanen vor Unbillen zu schützen, 
ihn den Verfolgungen zu entziehen, so lange sie noch nicht 
ausgebrochen waren. Man muß bedenken, noch war Luther 
nicht verurteilt, noch unterstand er vollkommen seiner Macht, 
vielleicht legte sich der Sturm und war eine einsichtige Ver- 
ständigung zu erhoffen, wenn es gelang, Luthern eine Zeit- 
lang in der Stille zu verwahren und ihm Schweigen aufzuer- 
legen. Wollte doch Spalatin von dem kaiserlichen Beichtvater 
Glapio erfahren haben, der Kaiser habe das harte Edict ge- 
gen Luther nur zu „einem Spiegelfechten lassen ausgeen. 
Dann die konyge von Franckreich und Engelland haben bis- 
her stetigs angehalten doctor Martinus leer dem babst zu ge- 
fallen zu verwerffen mit bedrawung wo s.einMayt das nit thet 
sie zu bekriegen" 2). 



1) Weld got ich kund martinum zcu der byllickaid wUs gutes 
ausz richten, esz szold an mir nicht mangel haben. Forste mann, 
Neues Urkundenbuch S. 14. 

1) Vgl. Zeitschrift für Eirchengeschichte II, 124 mitgeteilt von- 



- 28 - 

Für die Richtigkeit dieser Gedankenreihe als mutmaßlicher 
Motive für Luthers Gefangennehmung') könnte man zunächst 
anführen, daß Friedrich der Weise sich stets dagegen ver- 
wahrt, irgend wie Luthers Sache vertreten zu wollen, indessen 
diese Aeußerungen sind lediglich diplomatischen Aktenstücken 
entnommen, können also nicht ohne Weiteres als Belege an- 
geführt werden 2). Wichtiger sind die Beweise, die wir aus 
seinem eigenen religiösen Handeln entnehmen können. Ich 
habe schon oben darauf hingewiesen, daß der Kurfürst sich 
durch Luthers Angriffe durchaus nicht beirren ließ in seinem 
Heiligen- und Reliquiencultus. Als er zur Krönung Karls V. 
abreiste, schrieb er an seinen Bruder: „auf morgen wyl ich 
ab got wyl nach Wittenberg czhyn vnd meynen orlaub von al- 



0. Waltz aus Cod. A. 1289 I auf der Bibliothek zu Gotha, das ist die 
Sammlung der Spalatiniana von Neudecker und Preller. Nachdem ich 
sehr viele von diesen Abschriften mit dem Original verglichen und sie 
sehr unzuverlässig gefunden, kann ich nicht mit 0. Waltz (a. a. 0.) 
S. 118 bedauern, daß diese Sammlung nicht im Druck erschienen ist* 

1 ) Uebrigens scheint der Kurfürst nur im Allgemeinen seinen Räten 
den Auftrag gegeben zu haben, Luthem in Verwahrung zu nehmen, hat 
aber absichtlich nicht wissen wollen und in der Tat anfangs nicht gewußt, 
wo Luther war. Will man dafür die Aeußerungen desselben in seinem 
Briefwechsel nicht gelten lassen, weil diese von der Diplomatie einge- 
geben sein könnten, so spricht dafür positiv Luthers Aeußerung an 
Amsdorf: Neque enim ubi sim Principes ipsi sciunt. .De Wette II, 26. 
Dieses Argument wird auch dadurch nicht hinfällig, daß L. damit die 
richtige Annahme eines fürstlichen Beamten, daß er auf der Wartburg 
sei, widerlegen will, denn am 9. Sept. schreibt er: Dux Johannes senior 
tandem novit, ubi agam hactenus ignarus: hospes mens clam ei ape- 
ruit, sed bene tacebit. De Wette II, 50. Vgl. II, 31. 

2) Ich kann hierbei die Bemerkung nicht unterdrücken, daß es 
doch sehr gewagt ist, wie man üoch vielfach mit den Aktenstücken 
und ganz besonders Briefen aus dem 16. Jahrhundert umzugehen pflegt, 
ohne irgend welche Quellenkritik zu üben. Da ist Brief eben Brief, 
folglich reine Quelle. Man vergißt dabei, daß die Briefe jener Zeit zu 
nicht kleinem Teile der Publicistik dienen. Wer einmal Gelegenheit ge- 
habt, z. B. Melanchthons Entwürfe mit den schließlich abgesendeten 
Briefen 'zu vergleichen und gesehen hat, wie er modelt, ja sogar schließ- 
lich eine ganz entgegengesetzte Ansicht zu Tage fördert, als er ursprüng- 
lich concipirt, wird in den seltensten Fällen unmittelbare Herzensergüsse 
annehmen können, sondern strenge Quellenkritik üben müssen. 



- 29 -- 

len liben heylligen nemen" ^). Und Spalatins Briefwechsel be- 
zeugt UDS ausdrücklich, daß Friedrich, während die reichen 
HeiltumÄsammlungen den Wittenbergern längst entwertet waren, 
noch bis ins Jahr 1522 hinein durch seine Gommißare neue 
Kostbarkeiten aufkaufen ließ 2). Obwohl er es schwer genug 
tragen mochte, daß man ihm in Wittenberg seine Lebensfreude 
und das, woraut er sein Verdienst gründete, rücksichtslos mit 
rauher Hand zerschlug ^) , so trat er doch nicht dagegen auf, 
sondern ließ es ruhig geschehen, nur forderte er, was er andern 
gewährte auch für sich, nämlich Religionsfreiheit. £s ist dies 
nicht zu viel gesagt. Hoch über seine Zeit hervorragend er- 
kennt dieser Fürst an, daß Religion nichts ist, was sich ge- 
bieten laße, was zu bestimmen Sache der Obrigkeit, sondern 
lediglich Privat- und .Gewissenssache , das ergeben alle seine 
Erlasse in Betreff der Wittenberger Neuerungen *). Man könnte 
meinen, es sei dies bei ihm viel weniger aus Grundsatz ge- 
schehen, als vielmehr unter dem Eindruck der imponirenden^ 
Erscheinung Luthers und seiner Genoßen, dessen er sich nicht 
erwehren konnte, denen zu wiedersprephen und entgegen zu 
handeln er im Angesichte der immer größer werdenden Be- 
wegung als eine Unmöglichkeit erkannte. Indessen dieses Ur- 
teil läßt, sich «doch sogleich als unrichtig erkennen, wenn man 
sieht, daß der Kurflirst den Zwickauer Propheten und Schwär- 



1) Förstemann a. a. 0. S. 2. 

2) Einige dieser Briefe bei C W. Schneider, Bibliothek der 
Kirchengeschichte. Weimar 1781, II. Bd., S. 1 ff. Die üebrigen im 
Archiv zu Weimar. 

3) Spalatin ohne Zweifel sehr mildernd: Wie Übel auch s. Eurf. 
G. sich konnten als in den Ceremonien sehr verteufft in et- 
liche Veränderung richten, noch redeten ihre Churf G. nicht übel da- 
von, konnten auch endlich die Veränderung wol leiden. . Zeitgeschichte 
Fr. des Weisen. S. 29 f. Mittwoch nach Corp. Christi (10. Juni) 1523 
schreibt Joh. der Beständige an den Kurfürsten: »Wie myr e. 1. ge- 
schrieben des umbgangks halben so haben wyr duringervnns auch ge- 
halten vnd auch kein sacrament wider zu der vesper oder messe heraus- 
getragen derhalben sollen sich e. 1. nicht entsetzen, dan es 
hat sich die procession so fein vonn ym seihest abgeschnitten vnd an 
alle beschwerrn ader mürmelung der leutte got seye gelobet**. Siehe 
den Brief im Anhang. 

4) Z. B. C. Ref. I, 472 f. 



- 30 - 

mern gegenüber ganz ebenso verfährt, auch ihnen Duldung 
gewähren will, obwol er sich dessen wol bewußt ist, daß er 
darüber Land und Leute verlieren könnte^). Es war dieses 
Verhalten übrigens auch nicht etwa, wie wir heute sagen wür- 
den, ein unkluges, unstaatsmännisches laisser faire und laisser 
aller j die Toleranz des Fürsten hatte vielmehr eine sehr bestimmte 
Grenze. Das war die öffentliche Ordnung und Ruhe. Wie er selbst 
ein hohes Bewußtsein von seiner Gehorsamspflicht gegen Kaiser 
und Reich hatte, so verlangte er auch in erster Linie die An- 
erkennung der öffentlichen Ordnung von seinen Untertanen und 
der stehende Refrain seiner Erlaße ist, daß, was man auch be- 
schließen wolle, man sich zu hüten habe vor Empörung und 
und Aufruhr ^), Wo die Ordnung überschritten wurde oder in 
Gefahr kam, griff er ein, aber auch nur da^), und es ist be- 
zeichnend, daß er einem Manne wie Gabriel Zwilling, der 
nicht wenig zu den Wittenberger Unruhen von 1521 und 1522 
f beigetragen hatte, trotz dringender Fürsprache Luthers keine 
Anstellung gewährte*). 

Dieser Standpunkt war so gänzlich neu und widersprach so 
sehr allem Hergebrachten, daß man sich nicht wundern kann, daß 
ihn nur wenige verstanden. Man weiss, wie schwer man es dem 
Kurfürsten gemacht, diese seine Stellung festzuhalten. Darin 
haben sich Freunde und Feinde überboten, und es gehörte die ganze 
friedliebende, anspruchslose Natur, die ihm eignete, dazu, um 
dies in den Tagen seines Alters und seiner Hinfälligkeit ruhig 
zu ertragen. Es waren harte Anklagen, die er zu hören bekam 
von seinem Vetter Georg, von Heinrich von England, und 
immer und immer wieder musste er es betonen, dass er sich 
nicht anmaße, Lutherö Lehre zu vertreten, sondern ihn nur 
nicht unüberwältigt verderben lassen wollte^). Sein Gesand- 

1) Zeitgeschichte S. 30, Schneider, Bibliothek der Eirchenge- 
geschichte, S. 121. 

2) Vgl. Corp. Ref. I, 472, 489, 508, 250, 558 f. Vgl. auch De 
Wette II, 94. 

3) Corp. Ref. I, 488. 

4) De Wette I, 170, 183 ff.; 191, 193 f., 199, 203, 213, 219. 

5) Spalatins Annalen S. 63 f In Betreff der Legitimität des Wormser 
Edicts scheint man am sächsischen Hofe von Anfang an starke Bedenken 
gehabt zu haben. Hans von der Planitz schreibt an den Kurfürsten: 



— 31 - 

ter beim Reichsregiment, Hans von der Planitz, hatte ihn 
fortwährend zu entschuldigen, und gab sich die möglichste 
Mühe, die Loyalität des Kurfürsten seinen Gegnern darzutun 
und seinen Standpunkt zu vertreten. Man machte ihn doch 
für Alles, was in Wittenberg und Umgegend geschah, verant- 
wortlich, und es half nichts, dass Friedrich, als man über 
das Auslaufen der Mönche klagte, erklären ließ, er habe die 
Mönche nicht controllirt, als sie ins Kloster hinein liefen , er 
könne auch keine Notiz davon nehmen, wenn sie wieder hinaus- 
liefen 1). Dieses und die Frage von der Priesterehe und der 
Messe seien geistliche Sachen, die ihn nichts angingen. Ver- 
geblich war es auch, dass er Zeugnisse dafür vorbrachte, dass 
Luther wider seinen Willen nach Wittenberg zurückgekehrt 
und seine „verdrießlichen Bücher ausgehen" ließ*), und daß 
er sich mit Recht darauf berufen konnte, wie er auch die Geg- 
ner der lutherischen Lehre gewähren ließe, ja sogar den Bi- 
schöfen zu Meißen* und Merseburg bei ihrem Vorhaben, gegen 
die Neuerer zu predigen, Vorschub geleistet^). Und es war in 



Nürnberg am 18. März 1522. „E. C. G. will ich aber gancz vndthr vnd 
getrewer meynungh erynnerungs weisz anczeigen, das E C. G. wiszen 
ader villeicht gehortt, wie kl. maj. doctor Martinum yn die acht auch seyn 
anhänger, vorschiber vnd andere gethan, welche acht ich vor meyn per- 
son nicht gesehenn, alleyn do von wie sie öffentlich an vill enden ange- 
schlagen seyn sali hören sagen etc. Bei M. Jordan, Aus Berichten 
eines Leipziger Reichstagsmitgliedes vor vierthalb hundert Jahren S. 20. 
Es ist im höchsten Maße zu bedauern, daß diese kleine Festschrift, die 
das wichtigste aus den Depeschen des Hans von der Planitz an den 
Kurfürsten mitteilt, nicht im Buchhandel erschienen ist. 

J) M. Jordan, S. 18 ff. Vgl. Kurf. an Joh. v. Planitz am 3. März 
1522. Das die monnich ausz denClostern lauffen, Pfaffen weiber nemen 
vnd raichung halber der Sacrament in dem haben wir dein bedengken 
auch gehört vnd solchs mag von vnns wie du anzeigst vnsers verhoffens 
leichtlich verantwurt werden, dann wir haben nit diesen dingen nit zu 
thun, sein des als ein leyhe auch nit verstendigt sonder steet den pre- 
laten vnd obern der geistligkeit zw. Archiv z. Weimar. Ich verdanke 
die Einsicht in den sehr umfangreichen Briefwechsel des Planitz mit 
dem Kurfürsten der Güte des Herrn Geh. Oberregierungsrat Dr. M. Jor- 
dan, dereine beinahe vollständige Abschrift derselben besitzt, aus der 
er in dem oben citirten Schriftchen einiges mitgeteilt hat. 

2) Kurf. Friedrich an Planitz am 26. Mai 1522 im Anhange. 

3) Am 29. März trägt der Kurfürst dem Planitz auf zu erklären: 



— 32 - 

der Tat schwer, an diese Neutralität zu glauben , wenn man 
hörte, mit welchem Eifer Hans von der P 1 a n i t z , freilich ohne 
dazu von seinem Herrn autorisirt zu sein, die Priesterehe und 
das Abendmal unter beiderlei Gestalt als auch in der alten 
Kirche üblich verteidigte, sich also specifisch lutherische Sätze 
aneignete ^). Georg von Sachsen, der beim Reichsregiment nach 
Kräften schürte, auch dasselbe mit den ihm anstößigen Erzeug- 
nißen von Luthers Feder bekannt machte, kannte dieVerhält- 
niße in Kursachsen sehr genau ^) , überall hatte dieser tätigste 
Fürst ^) seiner Zeit seine Späher und Berichterstatter. Wenn 
man erfuhr, daß der Pfarrer zu Lochau, dem Lieblingsanf ent- 
halte des Kurfürsten, das Abendmal unter beiderlei Gestalt 
reiche*), so war es eben für einen außen stehenden viel ver- 
langt, den Kurfürsten nicht wenigstens einer Unterlassungs- 
sünde zu beschuldigen. Es ist bekannt wie man daraufhin zu 
Zeiten damals ernstlich daran gedacht, Friedrich seiner Kurwürde 
zu entkleiden^) und dieser wußte dies sehr wol, aber hatte 



„dasz die bischowe zu Meissen vnd Merseburg furhetten zu predigen 
vnd predigen zu laszen vnd auszschreiben zu tun, daryn wir Jne vf 
ir ansuchen fnrdrung geton des sich der Bischof von keinen gegen yns 
bedankt Archiv zu Weimar. 

1) Jordan a. a. 0. S. 6. 

2) Vgl. Jordan, S. 5 ff. u. öfter. 

3) So muß man ihn nennen, wenn man die Größe seiner Correspon- 
denzy auf die man in allen deutschen Archiven stößt, übersieht und dabei 
beachtet, daß er im Gegensatz zu andern Fürsten, wie aus den Dresdner 
Archivalien zu ersehen, seine Erlaße fast sammtlich concipirte. Das Ur- 
teil über diesen Fürsten würde auch in vielen Punkten anders lauten, 
wenn man seine Tätigkeit einmal, ohne sich durch das Urteil der Refor- 
matoreb allzusehr einnehmen zu laßen, quellenmäßig untersuchte. 
Das freilich etwas weitschichtige Material ist mit seltener Vollständig- 
keit in Dresden, Weimar, Marburg, Magdeburg etc. vorhanden. 

4) Siehe das Schreiben des Bischofs von Meißen an den Kurfür- 
sten am Freitag nach Dorothea (7. Febr.) 1522. Haupt- und Staats- 
archiv in Dresden in „Päpstl. Bullen und Ablaß etc.^ Loc. 102, 
99 fol. 19 ff. 

5) Johann an Kurf. Friedrich Mittwoch St. Annen (28. Juli) 1523: 
Das man e. 1. wyll vun der kurre entsetzen byn ich warlichen sere 
erschrocken und where warlichen eyn schwynder vnd ein erschreck- 
licher handel aber ich wyU gott vonn hymeln vertrawhen, der werde 



- 33 - 

dieser bedächtige, langsam ttberlegende Fttrst zu einer Frage 
einmal eine bestimmte Stellung eingenommen, etwas für recht 
und gut erkannt, so ließ er sich auch durch keine Gefahr da- 
von abbringen, wie er den Wittenbergern einmal sagen läßt: 
„sie sollten es dafür halten, wenn S. E. 6. wüßten, was gut 
und recht sein sollt, S. E. 6. wollt sich desselben halten, und 
weder Bruder noch Mutter noch sgnst jemands ansehen, darüber 
auch leiden, was S. E. G. leiden sollt ^)". 

Lagen die Verhältniße so, so kann man nur Mitleid haben, 
wenn man sieht, wie man den EurfÜrst im eigenen Lande immer 
weiter drängte, ihm immer eine Concession nach der andern ab- 
preßte. Es ist bekannt, wie Luther nach den Unruhen der Wit- 
tenberger Schwärmer bei der Einführung der von ihm als not- 
wendig erkannten Beformen im Allgemeinen sehr conservativ 
zu Werke ging, aber in einigen Punkten kannte er kein Er- 
barmen, keine Rücksicht, auch nicht gegen seinen Herrn und 
Eurfürsten. Die denkbar schwierigste Stellung hatte dabei 
der Unterhändler zwischen dem Hofe und den Wittenbergern, 
der kurfürstliche Geheimsekretär Georg Spalatin. Früh für 
Luthers Lehre und Person gewonnen, hatte er sich bald da- 
ran gewöhnt, in ihm seinen Gewissensrat, seinen Berater in 
allen Dingen zu sehen, andrerseits hatte er für seinen Eur- 
fürsten, der ihm als das Ideal eines weisen, frommen und gott- 
liebenden Fürsten galt, die höchste Verehrung. Veranlaßte ihn 
Luthers Drängen ^) und eigene Ueberzeugung je mehr und mehr 
zu dem Versuche, seinen Herrn von seinem Ceremoniendienste 
zu evangelischer Anschauung und Lebensführung herüber zu 
ziehen, so nötigten ihn doch seine amtlichen Obliegenheiten, 
auch wieder für die Neigungen des Eurfürsten einzutreten. Er 
war es ja, der, wie schon früher erwähnt, den Briefwechsel 
über den Ankauf von Reliquien noch bis ins Jahr 1522 zu 
führen hatte. Es mag oft schwer gewesen sein, in diesem 
Widerstreit der Pflichten beiden Parteien zu genügen, zumal 
in dem Punkte, in dem beide empfindlich waren, eben dem 
Reliquien- und Ceremoniendienst. Anfangs hatte er sich Luthern 

die Sache vnnd alle Sachen nach seinen gotlichen Willen wol schicken. 
Emestinisches Ges. Archiv zu Weimar. Reg. N. p. 46 A. 164, 10. 

1) Corp. Ref. I, 537. 

2) Vgl z. B. De W. n, 247. 

3 



— 34 - 

gegenüber noch eine gewiße Selbstständigkeit gewahrt^ und sogar 
um seinen Kurfürsten vor Unannehmlichkeiten zu bewahren, wäh- 
reiid Luthers Wartburger Aufenthalt es gewagt; dessen Schrift 
gegen den i^bgott zu Halle zu unterschlagen ; je mehr und mehr 
beugte er sich aber vor Luthers Geist und suchte den Kur- 
fürsten für die Reformation zu bestimmen, ja seine tätige Mit- 
wirkung an der Ausführung dj^rselben zu fordern. Dies hatten 
die Wittenberger schon im Okt. 1520 getan, als sie von dem Kur- 
fürsten verlangten, er solle als ein christlicher Fürst den Miß- 
brauch der Meße in seinen Landen abtun, und ihn davor warnten, 
daß ihn nicht einst jlas Schicksal der Kapernaiten träfe, und 
ihm von Christo vorgeworfen würde, daß solche große Gnade, 
daß das Evangelium wieder an den Tag gekommen, umsonst 
in seinem Lande geoffenbart worden sei ^). Aber Friedrich 
lehnte es ab, persönlich einzugreifen, ließ jedoch die Augu- 
stiner und die Wittenberger in ihren Kirchen gewähren 2). 
Ohne seine Mithülfe wurde der Meß- und sonstige Geremonien- 
dienst von den Augustinern und der Wittenberger Stadt- 
gemeinde aufgegeben, leerten sich die Klöster, änderten sich 
alle kirchlichen Verhältnisse in Wittenberg und den an- 
grenzenden Gemeinden. Das einzige, was die Regierung da- 
bei tat, war, daß sie diese Verhältnisse anerkannte, die Ver- 
schleuderung der Klostergüter verhinderte, eventuell ihre Ver- 
waltung in die Hand nahm. 

In der Wittenberger Stiftskirche jedoch blieb einstweilen 
alles beim Alten. Hier fühlte sich der Kurfürst als Stifter, als 
Patron und Hausherr. Aber gerade deßhalb fordert Luther 
mit Ungestüm das Abtun dieses Bethavens (Hosea 4, 15. 10, 5), 
dieses Hauses der Abgötterei '), dessen Bestehen um so schär- 



1) C. Ref. I, 469 f. 

2) Richtig sagt L. von ihm, Novi hominis ingeninm qui ferre po- 
test ut ab aliis fiant quaecunque fiant sed mandare aut consulere nolit 
De W. U, 197. Auch Luther fordert bald direkt die Staatshilfe zur Ein- 
führung der Ref. De W. I, 190. Andrerseits schreibt er: Valde vellem 
Principem nostrum sua curare et me sinere cum Satana squamisque suis 
agere, sicut et antea scripsi. De .W. II, 252. 

3) Vom Mißbrauch der Messe E. A. 28, 138 ff. Ihr habt auch 
ein Bethaven bei euch, aller heiligen Kirche, welche Herzog Friederich 



- 35 - 

fer beurteilt werden müße^ weil es unter Sanktion des Fürsten 
bestehe, auch nachdem die Wahrheit an das Licht gebracht 
sei. Immer dringender verlangte er die Aufhebung des Stiftes, 
und als der Kurfürst nicht davon lassen wollte, wandte er sich 
an die Stiftsherrn selbst mit der Aufforderung, das öffentliche 
Aergerniß aus dem Wege zu räumen^), und als diese zöger- 
ten, sich auch auf den Kurfürst beriefen, hielt ihnen Luther 
entgegen : „Ich rede itzund mit eurem Gewißen, was gehet uns 
der Kurfürst in solchen Sachen an. Ihr wißet, was St. Petrus 
saget Apostelgesch. 5, 25: Oportuit Deo magis obedire quam 
hominilms^y\ Erst nach jahrelangen Kämpfen wurde die Ab- 
schaffung der Messe Ende 1524 durchgesetzt, wider den aus- 
drücklichen Willen des Fürsten und nicht ohne Vergewaltigung 
der Stiftsherrn von Seiten Luthers und seiner Anhänger '). So 
fiel das letzte Bolly^erk römischen Gottesdienstes in Wittenberg. 
Die Ausstellung der Reliquien hatte wohl schon früher aufgehört. 
Und der Kurfürst ließ es geschehen, weil jene vielleicht doch 
einen Grund dazu in Gottes Wort haben möchten. Aber man 



von seinen Vorfahren ererbet hat, und durch die Papisten betrogen 
trefiflich gemehret und erhaben. wie viel armen Leut hätt man da- 
von in Sachsen ernähren können, die er alle ihm zur Freunde von dem 
unrechten Mammon hätt machen mögen, auf daß sie ihn wenn es ihm 
wird noth sein', in die ewigen Hütten genommen hätten; daß aus dem 
Exempel zu fürchten ist, daß der Fürsten Geld und Gut gar selten 
würdig ist, daß es zu christlichen Sachen gebraucht werde; gleichwie 
es wird selten anders gewonnen, denn Nimrod sein Gut und Geld gewon- 
nen hat. 1 Mos. 10, 8. Vgl. De W. II, 106. Auch direkt suchte Luther 
den Kurfürsten von seinen Heiltümern abzubringen in dem schönen 
Briefe De W. 1, 131 f. Auch De W. I, 174, 217, Dez. 1522 an Spala- 
tin: Omnium sanctorum Bethaven quid est nisi lupanar? Atque utinam 
lupanar tantum esset: sed peccatum, seu iit Amazias apud Amos ait, 
sanctificatio regis est: utinam Princips ibi quoque manum opponeret. 
Gerte haec peccata eum fovebunt maxime, postquam veritas rem osten- 
derit. De W. II, 271. Noch schärfer II, 283, 300. 

1) De W. II, 308 f. Vgl. 568 u. dgl. An Spalatin deshalb: De 
W. II, 314, 424. 

2) D6 W. n, 355. 

3) Näheres über diese Vorgänge, deren weitere Ausführung den 
Eahmen dieser Skizze überschreiten würde bei Seckendorf, Com- 
ment, I, 274 ff. Eöstlin I, 562 und in den Aktenstücke im Anhang. 

3* 



- 36 - 

ging noch weiter ; man verlangte ein tätiges Eingreifen von 
ihm zu Gunsten der allseitigen Einführung der Beformation. 
Doch dazu war er nicht zu bewegen. Gegen das Wort Got- 
tes wollte er nichts tun und ließ darum geschehen^ was andere 
auf ihr Gewissen glaubten tun zu dürfen, wenn es nur ohne 
Verletzung der öffentlichen Ordnung vor sich ging, mehr war 
aber nicht von ihm zu erreichen und für seine Person hoffte 
er die endgültige Lösung aller der Schwierigkeiten, die ihm die 
letzten Tage seines Lebens verbitterten, letztlich immer von einem 
GonciH). Daß neben der alten mit der ganzen Reichsidee so 
eng verbundenen Kirche eine neue sich erheben könnte, daran 
hat er nie gedacht. Bis an sein Ende ist er, wie er es immer 
betont, ein guter Sohn der röm. kath. Kirche geblieben. 

Noch in den letzten Tagen seines Lebens forderte man nach 
einem wie ich glaube bisher unbekannten Schriftstücke nichts 
Geringeres von ihm als ein vollständiges Beformationsdekret für 
seine Lande. Er solle, dieses Ansinnen stellte Spalatin an ihn am 
1. Mai 1525, eine gemeine Schrift an alle Stifte, Klöster und 
Geistliche ausgehen lassen, wonach, um zeitliche und ewige 
Beschwerung zu vermeiden, aller Ceremonieudienst abgetan, 
der Gottesdienst nur in Gemäßheit des Evangeliums eingerich- 
tet werden sollte. Dadurch werde der Kurfürst sein Gewissen 
entladen und wäre zu hoffen, daß in Folge dessen der gegenwär- 
tige Aufruhr, — eben fingen die Bauern an sich zu sammeln — 
gestillt werde. „Denn ich besorge daß die meiste Ursache 
aller dieser Aufruhr eben daher kommen, dasz man Gotteswort 
verhindert und wir Pfaffen, München und Nonnen die abgöt- 
tischen und gotteslästerlichen Gottesdienste nicht abstellen wol- 
len, welche Fürsten und andere Obere aus Gottes Gebot Deuter, 
abzutun schuldig sind. E. K. G. geruhen mir um Gotteswillen 
das unterthänig Ansuchet! in ihrem itzigen vielfältigen Beschwe- 
rungen gnädiglich zu Gute zu halten, denn es geschieht in 
unterthäniger treuer Wohlmeinung und wollte desto lieber ster- 
ben, wenn E. K. G. den Geistlichen das christliche Gebisz ein- 
legten, E. K. G. bekennten sich auch damit zu Gottes Wort 
und wäre ein hohes tröstliches und christliches \yerk. — 



4) Corp. Ref. I, 488 u. öfter. Vgl. noch Spalatins Urteil über 
ihn I, 481. 



- 37 - 

was großes Out sollte in aller Christenheit daraus erwach- 
sen, die Buben verschonen sich sonst mit E. F. 6., so sind 
auch E. F. 6., wird sie solche Abgötterei gestatten, nicht ent- 
schuldiget^)". 

Wir wissen nicht was der Kurfürst darauf geantwortet 
hat, vielleicht gar nichts. Vier Tage darauf ist er gestor- 
ben. Spalatin hat uns sein erbauliches Ende beschrieben. 
Auf dem Todtenbette nahm er das Abendmal unter beiderlei 
Gestalt. Das war das Einzige, wodurch er sich tatsächlich 
zum neuen Eirchentum bekannte und auch hierbei bleibt es 
zweifelhaft, ob er nach Allem, was vorangegangen, den Schritt 
aus persönlicher Initiative tat, oder nicht vielmehr dem Drängen 
seiner geistlichen Ratgeber nachgab. Wie dem aber auch 
sein mag, ihm bleibt der Ruhm, der erste Fürst gewesen zu 
sein, welcher, wenn auch erst im Tode, dem Papsttum und sei- 
ner Kirche Valet sagte. 

Aber das genügt doch nicht, um ihn zum Schirmherrn der 
evangelischen Kirche zu stempeln. Man darf es ihm nachrüh- 
men, daß ihm die heilige Schrift ein teuerwertes Wort war. 
Er hat einmal eine Münze schlagen lassen mit dem Spruch: 
Verbum Domini manet in aetemumy und die Anfangsbuchstaben 
der Worte dieses Spruches ließ er seinen Dienern auf den 
Aermel sticken. Als die Gegensätze zwischen Luther und 
Erasmus sich auf die Frage nach dem freien Willen zuspitzten, 
entschied sich der Streit für sein einfaches Gemüt lediglich 
durch des Herren Wort: „Ohne mich könnet ihr nichts tun." 
Aber daß ihm als Fürst aus dieser geläuterten Erkenntniß die 
Pflicht erwüchse, etwas mehr zu tun, als den unrechtmäßig ver- 
folgten Luther gewähren zu lassen und die öffentliche Ordnung 
zu wahren, das ist ihm nicht in den Sinn gekommen, ja man darf 
sagen, dazu ist er vielleicht zu weise gewesen. Und hätte man seine 
weise Kirchenpolitik, die allerdings seit Luthers Auftreten vielfach 
von der seiner Vorfahren abwich, weiter befolgt, hätte anderer- 
seits Luther und die Seinen nicht schon so bald ernten wollen, 
wo es noch zu säen galt, da hätte es vielleicht wirklich zu einer 
deutschen evangelischen Volkskirche kommen können, die sich 
frei aus sich selbst heraus auferbaute, lediglich auf Grund des 



1) Siehe das ganze Schreiben im Anhang. 



- 38 — 

evaDgelischen Wortes und des freien durch keine Staatsgewalt 
geforderten Bekenntnisses zu demselben. Anstatt dessen schritt 
man sogleich nach Friedrichs Tode zu dem angeblich nur 
provisorischen Nothdach des landeskirchlichen Sammepiscopats, 
in das es nun schon länger als dreihundert Jahre hinemregnet^ 
und Spalatins pium desiderium den Geistlichen „das Gebiß ein- 
zulegen^^ dürfte eine intensivere Erfüllung erfahren haben^ als 
er es wohl selbst gewünscht haben mag. 



Beilagen. 



I. 

Friedrich ron Sacltsen an Man r. Palti. 

1502. 25. Febr. 

Fr i de rieh von gotes gnaden hertzog zu Sachssenn vnd 
ehnrfarste ete. 

Vnnsen gras znaor wardiger vnd hochgelarter lieber an- 
dechtiger. Ynnser begere ist, jr woUent die Sachen der Romi- 
schen gnade zar Nambarg zam besten bestellen vnd each 
von stand an vnd vngesewmpt gein Zwickaw vnd aaf den 
Sneeberg fagen vnd daselbst die Sachen der gnade halbenn 
zam besten als ir wißt aaßzarichten fleis haben vnd gebraa- 
chen, vnd each darinnen nichtz lassen verhindern [, dann doctor 
Ganther mit vns verlassen, er wolle solcbs an diesem mit each 
bestellen^ wissen aber nicht ob das gescheen sey oder nicht] 
Inn dem that ir vnns gefellige meynang in gnaden za merken. 
Datam Torgaw freitags nach Reminiscere anno etc. xv c. 
secando. 

Aeaßere Aafschrift: Dem wirdigen vnd hochgelarten vnn- 

serm lieben andechtigen brader Johann Paltz doctor 

Sant Aagastini ordens etc. 

[. . .] An dieser Stelle standen arsprünglich die Worte: 
„each werde von doctor Gant her von Banawe geschrieben 
oder nicht^^ Sie sind aber aasgestrichen and die jetzigen dafUr 
an den Rand geschrieben 

Orig. im Emestinischen Gesammtarchiv z. Weimar Reg. 
0. pag. 91. AAa 1. 

n. 

Spalatin an Christian Bayer. 
1520. 22. April. 

Sao amantissimo Compatri D. Christiane Bowario. 

P. Mihi semper sincerissime gratificatas amantissime com- 
pater, fecisti spem egregiam^ me nihil anqaam frastra abs te 
petitaram. Id qnod nanc mire mihi poUiceor in caasa doctoris 



- 42 — 

I 

Martini mei. Te igitar obsecro, ut consiliam hodie concipias 
et conceptum mihi sab hujus serum diei mittas, quomodo 
arbitreris agendum si DoctorMartinus excommunicatione 
opprimeretur) vel solus, vel quod Dens averterit cum principe 
clementissimo et christianissimo vel universtitate et civitate 
bac jam multis nominibus celebratissima. Nihil enim feceris 
vel te dignins vel bonis omnibus gratius. Optime vale cum 
commatre, cum filiola Sabina et breviter tota domo, et cura 
nt hodie rursum taum habeam vel brevissimum in omnes casus. 
Gursim ex arce Yuittenbergensi Dominica Misericord. Do- 
mini MDXX. Idem spero me a Domino praeposito et dei 
Hieronymo etiam consecuturnm. 
Orig. auf der Ratsschulbibliothek 
zu Zwickau. 6. Spalatinus. 

III. 

Herzog Johann an Knrfllrst Friedrich ^). 
1520. 14. Januar. 

Hochgeborner fürst freundlicher lieber herre bruder VAd 
geuatter ich bedanck mich keigen e. 1. gancz frentlichen keigen 
e. 1. des bücheleins das myr e. 1. geschickt hat welches Mar- 
tin us gemacht; wyll auch solches freuntlichen umb e. 1. ver- 
dienen in diesser stunde sint myr diesse bryffe von Jeronimo 
Brunn er zugeschickt die ich e. 1. alhyrmit zcu schicke, auch 
was mein bedenken auff die handelung yst di do zcu Zceitz 
ytzond gehandeldt doch auff e. 1. vorbessernng. Welchs ich 
e. 1. freuntlicher meynung nit habe wollen vorhaltten. E. 1. 
freuntlichen zcu diennen bin geneit. Datum Weimar Sampstag 

nach Juliani 1520. 

Hans Herzog zu Sachsen. 

IV. 

Herzog Johann an Knrfllrst Friedrich. 
1421. 28. Januar. 

Hochgeborner fürst ^ frentlicher lieber herre bjuder vnd 
gefather! Ich habe e. 1. schreiben gelessen vnd frentlicher 
meynung verstanden ^ welchs dato stet zu Wormis am abent 

1) Dieser wie die folgenden Briefe aus dem Original im Ernest. 
Gfe9f Arch. zu Weimar Reg. N. p. 46. A. Nr. 4. 



- 43 - 

Anthoni ^) vnd myr gestern abentz geantwort vnd ich bedanke 
mich frentlichen keigen e. 1. der newbe zceitnng die myr e. 1. 
geschrieben haben, myr yst auch e. 1. schreiben d«r herberge 
halben^) vorlengst zcukomen daranff ich auch e. 1. antwort 
geben habe vnd meins' vorsehens sei ess e. 1. nicht zca komen. 
e. 1. wyll ich auch nit bergen das ich etlich vitalia habe be- 
staldt auff dem Meyn herab zca voren biss kein Wormis 
auch etlichen wein vnd habem, welchs ich e. I. auch nit habe 
wollen bergenn das myr e. 1. gatter maynung anczeigen das 
e. 1. gern sehen das ich vor mich vnd meyn son bethe soldt 
mit füren lassen auf diesse raysse, das bedanke ich mich keigen 
e. 1. gancz freutlichenn. Ich habe auch eher myr e. 1. schreiben 
zcn komen meyne bethe vor mich vnd meynen son lassen zcn 
richtten auff die raysze. Es yst so ein böses windiges vnd 
nass Wetter alhyr fast beye ix tagen gewest als ichs alle meine 
tage gedencke vnd sint die wasser so gros als ichs vmb die 
czeit des jhars nit gesehen habe. Ich bore auch gancz ungern^ 
das Martinas alszo soll verfalget werden, aber ich wyl zca 
goth vertrawen, der wyrdt yn nit verlaszen, es sint noch vil 
redellicher lenthe, dido aach das best thaen werden beye 
Martino^ dan mich ye danket, er seye aaff dem recht- 
ten wege. Das der lantgraff so statlichen zca Wormis ein 
geritten boren ich gern^ ich vormathe mich gentzlichen s. 1. 
werde die reather za tayll heym schicken, das Rom. Königs 
May. es der vor haldt, das ich werde Stecher bringenn mack 
woU sein, aber das ich er so vil bringen mack, als ich gern 
gehapt, yst myr nicht magelich, wie dan e. 1. aas meynem 
schreyben nahe mer verstanden, aber ich hoffe dreyhe zca 
bringen, allein wyrdt es ynnen an pferden mangeln, wo e. 1. 
nahe kandt etliche pferde za wegen bringen, so hoffte ich es 
soldt an lewtten nit mangels sein. Der Heintz hat aach 
nichts bracht dan ij reimzeagk, wie woU ich habe lassen 
schreiben kein Torgaw vnd eynnen stechzceagh, ob er aber 
kompt weis ich nit, der halben dorffen e. 1. sich des nit be- 
sorgen. E. 1. schreiben myr aach, das e. 1. nit konnten vor- 
stehen ob mein son den halczen man hat vmb gestossen oder 



1) 16. Jan. Forstmann, neues Urkundenbuch S. 5 f. 

2) Vom 12. Jan. ebendas. 



— 44 ~ 

ob der man mein son hat erab gerant, der halben lass ieh 
e. 1. wyssen, das der balczen man mein son hat erab gestochen. 
Ich höre auch gern, das mein vether nach seynnen zceugen 
schicket^ ich haltz dorvor, sie werden zcu dem stechen nit zcu 
massen komen, sali anders das stechen auff denn Fassnach 
Sontag sein. Ymb das newhe jhare werden sich e. 1. woU 
wyssen zcu haltten als^ ein loblicher kurffiirst des heyligen 
reichs. Ich höre auch fast gern, das sich mein vether frent- 
lichen zcu e. 1. stellet und got gebe, das es laohe were vnd 
das hertze gut dorbeye seye. E. 1. vormeynnen, das ich auff 
Hedelbergh zcu zihen worde, des ich mich doch nit vor- 
mutbe, als mich meine lenthe beriebt haben; es where dan^ 
das ich wassers halben do müst zcu zcihenn. £. 1. yst niche 
mher das hyrsz gehorn zcu komen dan ich es e. 1. beye e. 1. 
bothen zugeschickt habe, ich woll auch die eppfell holen lassen 
vnd bedancke mich der frentlichen keigen e. 1.^ wyll auch 
solchs frentlichen vmb e. 1. vordienen. Ich bore auch gern^^ 
das mein vether die guUichische handelung beye sich hat yn 
hoffenung es solle zcu der handelunge dinstlichen sein, welche 
ich e. 1. frentlicher maynung nit habe wollen vorhaltten. £. 1. 
frentlichen zcu dienen bin ich geneit. Datum zcu koborgh 
Mittwoch nach Yincentii 1521. 

Hans Hertzog zu Sachssen. 

V. 

Herzog Johann an Knrfllrst Friedrich. 
1521. 4. April. 

Hochgebornner fürst, freuntlicher lieber herre bruder vnd 
gefather! E. 1. schreiben habe ich vorlessen, welchs myr zcu- 
komen am mitwochen nach palmarum^) vnd freuntlicher may- 
nung vorstanden, und ich bedanck mich keigen e. 1. des, das 
e. 1. alle Sachen die ich e. 1. geschrieben, wyll fleiss vor wen- 
den nach e. 1. vormugen auss zcu richtten vnd zcu solicitiren, 
wyll auch solchs freuntlichen vmb e. 1. hinwider vmb vor 
diennen. E. 1. gebe ich czu erkennen, das es alhir fast ein 
kaldt wether yst, wie wol die bäume zcu teyll auss lassen vnd 
ich mack e. 1. nach warheit schreiben das in den Ostern sere 



1) Das ist der 27. März. 



- 45 — 

gat krammt vogel gehapt habe vnd hatte ichs gewnst, das sie 
zca bekomen weren gewest, ich wolt yr e. 1. ein etliche schock 
geschickt haben, sie sint auch auch eins sere guthen ge- 
schmackes gewest vnd zcimlich veist vnd so als verst alss sie 
waren vor fastnacht; ich habe e. 1. die xxiiij feile bestaldt vnd 
als baldt die vertigt wyll ich sie e. 1. von stund an zcu 
schicken; ich habe die zceddel der renner und sticher vber 
lessen vnd befinde das gesellen stechen nit dorynnen auch kei 
Maj. tornyr auch nit dimen (sie), wies aber zcu yst geganhen, ich 
haldt, man hat sich dorvor geschamet, das e. 1. vnd meynne 
dienner am basten gestochen haben vnd den andern die dencke 
geben sint vnd nit so vil velle gemacht. Meister Lucas ^) 
schreibet myr, das es von den genaden gottes mit dem sterben 
sich gancz wo! zu der Loch au vnd dor vmb heltet^ des glei- 
chen zcu Wittenberg h vnd Torgaw, dorbei zceiget er mir 
an, das er e. 1. etliche taffei kein Wormis geschickt , dor 
vnder sey eynne mir zcustendigk, die habe mein maller ge- 
mallet^ yst der halben meyn freuntliche bitt an e. 1.^ e. 1. wol- 
len myr die gemalte taffein schicken, auff das ich sehen mochtte 
was guttes er gelernnet hette. E. 1. schicke ich auch eymme' 
briff zcu, welcher abwesens mein an die rethe die zceit zcu 
Salvelt von e. 1. rethen von Eyllenburgk aus ynen zuge- 
schickt der halben bitte ich, e. 1. wollen die schrifft lassen 
lessen vnd was e. 1. bedoncken dorynne, mich solchs freuntlichen 
vorstendigen vorstendigen. Ich habe Burckhardt Hundt 
beuollen, sich kein Born zcu fugen vnd mit e. 1. verordnetten^ 
sich zcu berechnen, allent halben meins vorsehens er werde 
dem so volge thun. Als e. 1. myr auch schreiben, wo ich e. 1. 
hette mein gemitte angezceiget, wie ich ym wyllens zcu cleiden 
gewest, so wolt ich e. 1. gern mit myr der halben vor eyniget 
haben, welchs ich mich keigen e. 1. gancz freuntlichen bedancke 
vnd e. 1. sollen myr in warheyt glawen, wan ich mich der 
kleidung entslossen, so wolt ichs e. 1. nit vorhaltten haben; 
so habe ich noch kein tuch bestaldt zcu kaufien, ich habe 
auch noch iij tucher vngeferlichen im vorath. Wo nuhe e. 1. 
nachmalen sich bedacht vnd wollet mich wissen lassen^ wie 
e. 1. cleiden woldt^ so woldt ich mich auch danach kleiden. 



1) Eranach. 



- 46 ^ 

Myr ist alhyr gesaget, das koDigl. Maj. solle eineD perssevaDten 
nach doctori Martino geschickt haben , ob dem nnbe also^ 
yst myr verborgen. Myr ist glawlich gesaget, das ytzandt in 
diesser vor flössen fasten solle ein Student einen Pauler brudem 
gebeicht haben zcu Leiptzig vnd yme gebethen, das er yn 
wolle absoluiren, das sich der bruder Pauelers Ordens gewegert, 
er wolle yn nit absoluiren^ er sage ym dann zcu, das er Mar- 
tinus bucher alle verbrennen wolle vnd wohl thuenn was der 
studens gesaget, er habe kein bucher didoMartinus gemacht, 
es hat nit wollen sein , das der studens bette mögen von dem 
bruder absoluirt werden. Der Student hat nach mals fieissig 
gebetten yme zu absoluiren, aber es hat nit sein wollen, wie 
sich der studens bedacht und den monch bey der Kappen ge- 
nomen vnd zcu dem stul hinausgeworffen vnd mit fussen ge- 
tretten, auch villeicht etwas dor zu geslagen, solchs ist meyne 
artz (arzt?) von Leiptzick vor gewiss geschrieben, welchs 
ich e. 1. nit habe wollen bergen. Er leupolt von Hermans- 
grün ist vor zwheen tagen alhyr gewest vnd gesaget das 
briffe sollen zcu Wormis angeslagen sein, das man alle 
'bucher didoMartinus habe lassen aussgehen das diC; die sy 
haben, sollen die yren obersten geben. Derhalben solle ein 
grosse rede entstanden sein, vnd von yderman das solchs an- 
slagen ym gelayt solle bescheen sein. Ob dem nuhe also yst, 
weis e. 1. an zweyffel. Es yst auch mein freuntliche 
bitte an e.l., e. 1. wolle den fromen man Martinum in 
geneidigen beuel haben, auch die andern fursten von 
meint wegenn freuntlichen bitten, ynnen Martinum 
auch geneidiglichen beuollen lassen sein, das wyll 
ich freuntlichen vmb e. 1. vnd sye alle vor dienen^). 
Myr yst in kurtz geschrieben, dass ein grosse auff rure aber 
yn Behaym vnd ym laut voiiti zcu Laussatz sein solle zwi- 
schen den stetten vnd den heren vnd den vom adel, got gebe 
das es guth werde. Des fisskalls halben habe ich e. 1. ge- 
schrieben, wie ich berricht, aber do ich die Sachen recht an- 
seheen liss do was ein andere Meinung vnd traff die geist- 
lichen an ym Wirtzborger bistumb, das sie die Kochin solten 
von ynnen thuen vnd andres. Em Wolffen pferdes halben 



1) Vgl. hierauf die Antwort des Eurfürsteo. Förstemann, S. 14. 



- 47 - 

werd e. I. woU die sach ein fordern; dan wo es e. 1. kont 
vorderlicb zcu wege brinhin sehe ich gernn. Welchs ich e. 1. 
freuntlicher maynnDg Dit habe wollen vorhalten. E. 1. freunt- 
lichen zu dienen bin ich geneit. E. 1. wollen K. Maj. mein vnd 
meins sons vnderthenige dingt sagen vnd wolle yn vnd mich 
yn genedigs beuell haben. Damit sey e. 1. got beaollen der 
helffe e. 1. vnd myr schyr mit freaden zasamen amen. Datum 
aaff koburgh ain Domstag der heil. Ostern 1521. 

Hans Herczog zcu Sachssen. 

VI. 

Herzog Johann an Kurfürst Friedrich. 
1521. 29. Mai i). 

Hochgeborner farst^ freuntlicher lieber herre bruder vnd 
geuather! ich habe e. 1. schreiben vorlessen vnd freuntlicher 
maynung vorstanden vnd das Kais. Maj. schwach gewest höre 
ich nit gern vnd als mir e. 1. schreiben, das e. 1. so vbel zcu 
fusse sint yst myr warlichen von hertzen laid vnd woldt got ich 
kond es e. 1. abwenden ^ woldt ich von hertzen gern thuen 
vnd were es schuldigk; ich wyll aber got dem almechtigen ge- 
trawhen, der almechtig werde es baldt wider vmb durch sein 
gotlich genade e. 1. wider dye gesunthayt geben. Ich bedanke 
mich gancz freuntlichen keigen e. 1. des artzteyen buchlein, wyll 
auch solchs freuntlichen vmb e. 1. verdiennen^ auch e. 1. wieder 
vmb kunst vmb kunst mit tayllen. Von doctorMartino wais 
ich e. 1. nichts worlässiges zcu schreiben^ who er 
yst, den gestern yst myr gesagt worden, er solle 
nit weit von Franckreich sein in eynnen schlos 
frantzen von Sickingen zcusteudigk; abb aber also 
yst, weis ich kein masen dor von. E. 1. las ich auch 
wyssen, das ich beriöht, das meyner kirchen zcu Wymar ein 
feyne kappell seye, auch die beste orgell dor von man weit 
wysse zu sagen , aber ich hab keins geseheen, den was ich 
bericht bin vnd sonderlichen vom Jörgen Organisten, der dye 
orgell geseheen vnd geslahen hat. My yst glaplich angezcei- 
get; das der von Myf fers (?) solle todt sein 2), auch Kais. Maj. 

1) Antwort auf den Brief des Kurfürsten vom 21., bei Forste- 
mann S. 17. 

2) Wahrscheinlich Ghievres* 



.*. 



- 48 -- 

oberster leipartz auch sein beichuatber vnd der profoss solle 
erstochen sein, ob nnhe dem also oder nit können e. L bas 
wyssen dan ich. Mein son hat heudt seynnen reinntzeugk 
berithen, der ym fast reicht noth yst vnd hofft e. 1. werde 
ynnen mit eym gutem reinross (sie) wider vmb vor seen. Ich 
bedancke mich auch gancz freuntlichen vmb e. 1. , das e. 1. zca 
myr alher wyll komen, ich wyll e. 1. von hertzen gern haben 
mit allein (sie) den meynnen vnd e. 1. wollen sich leiden in e. 
1. eigen behausung und slos^ ich wylls auch nymantzs sagen, 
sonder beye myr behaltten im geheym. E. I. wyll auch nit 
bergen, das myr glawlich angezceiget das Jörg von E ber- 
ste in sich solle in diesser stundt (?) vnd ym stifFtezcu Wyrcz- 
burgh vast vmbdrehen, wie wol er sich vornemen lasst, er 
habe nichts mit e. 1. vnd myr zcu thuen, aber den lenthen yst 
vbell zcu getrawhen der halben wolle e. 1. e. 1. sache in bess- 
ter acht haben, so soll beye myr auch keinfieis gesparret wer- 
den^ ab man ym etwas kundt abbrechen, welchs ich e. L nit 
habe wollen vorhaltten , auff das e. 1. des wyssens betten. E. 
1. freuntlichen zcudiennen.bin ichgeneit. Datum zu Koborgh 
abent corporis xsti 1521. 

Hans Herczog zu Sachsen. 

VII. 

Herzog Jobann an KnrfArst Friedrich. 

1522. 5. März. 

Hochgeborner Fürst, freuntlicher lieber here bruder vnd 
geuather! ich habe e. 1. schreiben vorlessenn vnd freuntlicher 
maynung vorstanden vnd ich bore gancz gern, das sich e. 1. 
schwacheit zu besserung geschickt hat vnd ich habe auff e. 
1. schreiben aus der kanczley e. 1. wider umb lassen antwort 
stellen aoch auff. e. 1. vorbesserung vnd gefallen, es yst myr 
auch ein selczam mandat von dem regyment, auch das schrei- 
ben meins vetter herczog Jörgen, welchs an e. 1. bescheen 
yst ich wais auch nit wor für ich halten sali; ich bedancke 
mich auch gancz freuntlichen keigen e. 1. des freuntlichens be- 
denckens was ich mit meynen swager von M eckein borgk 
handeln sali, wyls auch nach meynen vormügen aus richtten 
vnd trewlichen; e. 1. haben myr auch geschrieben Albrecht 



-- 49 - 

canczell schreybers halben mit dem geldt das bei den Leym- 
bachen aussen stet von Bernhardt Dornbach seligen he- 
mrend aus genaden zcuuorsehen , der halben wais ich mich woU 
zcn erynnereu; das e. 1. mit myr zcu der Lochawaach alhir 
zcn Wymar mit myr dor non gereth haben. Dor auff wil ich 
e. 1. freuntlicher maynnng nit bergen ^ das ich e. 1. lengest dor 
auff meyn gemat gern zcu uorstehen geben hette^ so weis ich 
warlich nit wie vil des geldes yst vnd wies ein gestaldt da mit 
hat, aber ich wyls in e. 1. wyllen vnd geuallen gestelt haben 
haben (sie) wil es e. 1. Albrechten volgen lassen aas gena- 
den so sali es meint halben auch gewillget sein; ich habe aas 
geschickt vmb geldt za erforschen meinen janhen vetter von 
Lnnenborgk, was mir auch des zcn antwort einkompt sali er 
vnuorhaltten bleyben. Keigen e. l bedancke ich mich auch 
gancz freuntlichen der reher, die myr e. i. von Koldicz ge- 
sckickt hat, will auch solchs freuntlichen umb e. 1. verdienen 
vnd myr sint x geantwort worden von Koldicz vom schosser 
van e. 1. wegen E. 1. schicke ich auch e. 1. alhir mit wie mein son 
die fastnacht alhye gehaltten hat, auch schicke ich e. 1. die 
abschrifft, was myr wider vmb vann meynen ohem herczog' 
Phillipssen yst zcu antwort worden auff mein schreiben mey- 
nen junhen vethern von Lunenborgk belanhendt; who e. 1. 
den falkenner noch hette mit den vögeln die do die alster 
schlugen where mein freuntliche bitte an e. 1. e. 1. wolle myr 
den schicken vnd die fasten leichen. Welchs ich e. 1. freunt- 
licher maynung nit hab wollen vorhalten. E. 1. freuntlichen 
zcu dienen bin ich geneit Datum zcu Wymar am Ascher 
mit Wochen 1522. 

Hans Herczog zcu Sachsenn. 

VIII. 

Herzog Johann an Knrf. Friedrich. 

1522. 23. März. 

Hochgebomer fürst freuntlicher lieber herre bmder vnd ge- 
father! ich habe e. 1. schreiben vorlessen vnd freuntlicher may- 
nung vorstanden vnd ich habe mit em friederichen Thu- 
nen, auch dem kanczler geratschlaget ^ auff e. 1. begeren das 
salcz graff ampt belanhent, wie e. 1. seheen werden doch auff 

4 



— 50 — 

e. 1. vorbesseren. So bedancke ich mich auch gancz frennüi- 
chen der vberschickten fasnacht^ wii auch solchs freontlichen 
vmb e. 1. vordieoDen. E. 1. las ich auch wissen das mir mein 
vether herczog Jörg geschrieben hat, das er sich aoff den 
mitwochen nach letare wyll zcu Nornbergk erheben vnd wider 
vmb auff Eobnrgk zcu zcu zciehen vnd den wegk durch e. 
L vnd mein farstentham wier heraus gezcogen ist, habe ich e. 
1. freuntlicher maynung nit wollen vorhalten e. 1. frenntlichen 
zcu dienen bin ich geneit. Datum zcu Wymar am sontag oculi 
anno den xxjj ihare 

Hans herczog zcu Sachsen. 

IX. 

Herzog Johann an KnrArst Friedrich. 
1523. 7. Juni. 

• 

Hochgebomer fürst freuntlicher lieber her vnd bruder! 
gestern yst er Pfillips von fey lisch zcu myr komen vom 
marckgraffen vnd mich bericht was vnd wie es alent halben die 
selbige handelung steheet wie e. 1. zcu vomemen haben vnd 
alhyr beye finden werden ; vnd vnder anderen mich bericht, 
das er Eonrat Schott zcu ym komen seye vnd ym angeczei- 
get, das einpratica vber e. 1. vnd mich vorhanden vnd sonder- 
lich von geistlichen bischoffenn und Martinus belanhent vnd 
solches solle mein vetter fieissik procuriren , zcu andern yst er 
Jörg von Schawborg hendt dato auch beye myr gewest, 
myr auch angeczeiget, das ym ein glawplicher gesaget, das 
eyn grosse pratica vorhanden vber e. 1. vnd mich 
seye Martinus halben auch etliche weltliche hocheyt, 
vnnd sollen das die dreye vrsachen sein; das erst, 
das e.l. vndichMartinum haltten;das ander, das e.l. 
vnd ich haben des keyssers mandat vorachttet; vnd 
d as dry thee, das e.l. vnd ich aus sErfordt sollen gedrun- 
hen haben, wie wol die iij articel synt, yst mengnichlichen 
wysßlich. Es sint myr auch czwhee gemeide geschenck wordenn, 
welche beyde zcu Nornbergk gemacht. Das cleinste hat myr 
er Jörg von Schawbergk hendt dato geschenckt, welchsich 
e. 1. nit habe wollen vorhalten. E. 1. frenntlichen zcu dienen 
byn ich geneit. Datum zcu Wymar am sontag nach corporis 
xti. anno xxiij. Hans herczog zcu Sachssen. ~ 



- 51 - 

X. 

Herzog Johann an KnrfArst Friedrich. 

1523. 10 JuDi. 

Hochgeborner farst, freuntlicher lieber herre brnder vod ge- 
uather! ich habe e. 1. schreiben welchs datam steheet zcn Tor- 
gaw am nechsten freytag nach corporis xti ^) entpfanhen vnd 
vorlessen vnd freuntlicher maynnng vorstanden ^ vnd nachdem 
mir e. 1. schreiben^ das e. 1. vil zca schaffen haben, kan ich 
warlichen woll glawen, dan e. 1. yst ye seiden an gescheffte. 
Wie myr e. 1. geschrieben des vmbgancks halben so 
haben wyr Daringen vnns auch gehalten vnd auch 
kein sacrament wider zca der vesper oder messe her 
aas getragen^ der halben sollen siehe. 1. nichtz ent- 
setzen dan es hat sich die prooession so feyn vonn 
ym seihest abgeschnitten vnd an alle beschwerun- 
gen oder murmelung der leutte, Oot seye gelobet! 
Nach dem myr e. 1. aach schreiben , das e. 1. e. 1. volck gern 
woldt zca Thorgaw kleiden lassen, aber es mangel an dem; 
das e. 1. nit wyssen, wie ich meynne grawhe ermell will ma- 
chen , ab sie sollen sein wie die wintter cleider aber änderst^ 
der halben gebe ich e. 1. freantlicher maynang zca erkennen^ 
das ich die rocke habe lassen machen mit sechs .falden vnder 
der garttell vnd oben der garttell schlecht ^ der recht ermell 
yst aber des masters, wie e. 1. vnnd ich ynnen den wintter 
gefürdt haben. Das graff Pfilipps von Solmis za Dresen 
vnnd freybargk gewest; höre ich gern ynczaaorsicht er 
werde was newhes do erfaren haben , so wyll ich yn aach gern 
haben , wan er zca myr kompt. Ich bedancke mich auch kei- 
gen e. 1., das myr e. 1. solchs vormeldtet hatt, wils auch 
freantlichen vmb e. 1. vordienen^ welchs ich e. 1. freantlicher 
maynang nit habe wollen vorhaltenn. E. 1. freantlichen zca die- 
nen bin ich geneit. Datum zcu Wymar am mitwochen nach 
corporis cristi anno xv G. vnnd ym xxiij jare 

Hans Herczog zcn Sachssen m. p. 



1) 5. Juni. Dieses Schreiben scheint nicht erhalten. 

4* 



- 52 — 

XI. 

Herzog Johann an KorfArst Friedrich. 
1523. 9. Juli. 

Hochgebomer ftirst freuntlicher lieber herre bruder vnd 
geuather, e. 1. gebe ich freuntlicher mayDung zcu erkennen, 
das myr gestern geschriebenn das, das mein vether herczog 
Jorge an vnser lieben frawentag nest zcu hoffe stil gelegen 
.den tag vnd er Ernst von Schonnberg hat ineynen vettern 
geleyttet mit xxx pferden vnd yst er Ernst wider kardt, so 
czweyffelt myr nit^ e. 1. haben noch yn frischem gedechtnas^ 
das ich mjt e. 1. redet zcu Alden borgk Martinum Lutter 
belanhenndt, wie solchs an mich gelanhel durch meynnen 
swagern von Anhalt; nuhe scbreybe ich e. 1. albyr bey ans 
der czanleye (sie) auch die articel wie mentz maynet, das ge- 
handelt soldt werden vnd das die maistat zcu derNawborgk 
soldt sein. Was nuhe e. 1. yn dem gefallen wyll, werden e. 1. 
mich woU berichtten. E. 1. lass ich auch wyssen, das ich auff 
den nechsten dinstag nach Margarethe^) graff Wylhelm von 
Hennenberg mit sampt seyner tochtter vnd graffGunthern 
von Schworzburg mit seynen son kein Salueld beschieden 
habe, den hewrat zwischen ynen zcu beschlissen mit gotlicher 
hulffe vorhabe, so wyl mein son der von Anhaldt vnd graff 
Bertolt vonHeynnenbergk (sie) ein gedrittes stechen vmb 
die brautschuö graff Günthers von Schwortzberg tochter diedo 
ytz newlichen elichen beyegelegen zcu A ms tat. Wies auch 
geheenn wyrdt sali es e. 1. vnuorhalten bleyben, welche ich 
e. 1. freuntlicher maynung nit habe wollen vorhalten. E. 1. 
freuntlichen zcu dienen byn ich geneit. Datum zcu Wymar 
am domstag nach Kiliani anno dmni xv c. vnnd ym xxiij jhare. 

Hans herzcog zcu Sachssen m. p. 

XII. 

Herzog Johann an Kurfürst Friedrich. 
1523. 10. Juli. 

Bruderliche lieb mit gantzen treuen alzeit zuuor. Hochge- 
bomner fürst lieber bruder vnd gefatter! wiewol wir eur lieb 



1) Das ist der 14. Jali. 



— 53 — 

bieuor durch vnnsem cantzler haben anzcaigen vnnd berichten 
lassen, welcher maß vnnser schwager der von Anhalt in 
arbait stehet, doctor Martinas Sachen gegen vnnserm 
oheymenn von Magdeburg vnd Mersburg zu gütlicher vn-' 
terredung vnnd handlang zu brengen. Darauf vnns dan Euer 
lieb dazumal ire bedengken mit fruntlicher Vorwarnung, das 
wir yhe der grieswerter kayner sein wolten widrumb hat vor- 
melden lassen. So wissen wir doch Eur lieb nit zu bergen, das 
gedachter vnnser Schwager vnns itzo bericht wie berurte vnnser 
oheymen von Magdeburg vnnd Mersburg daz die sachn 
lauts eingelegter copeien seiner lieb furschlege zu handellung 
geraichen gefallen lassen, welchs wir Eur lieb bruderlicher 
vnd fruntlicher maynung nit haben vorhalten wollen. Datum 
Weymar freitags nach Kiliani. Anno etc. 23. 

Johans. 

XIII. 

Herzog Johann an Kvrftrst Friedrich. 
1523. 29. Juli. 

Hochgebomer fürst freuntlicher lieber herre bruder vnd 
geuather, ich habe e. 1. bayder schreiben vorlessen vnd freunt- 
licher maynung vorstanden vnd ich habe den canczeller gestern 
dinstags nach Mersseburg gefertiget yn zcu vorsieh er solle 
auff morgen dornstags wider umb beye myr sein. Freuntlicher 
lieber herre bruder vnd gefather, das man e. 1. wyll van 
der kurren entsetzen byn ich warlichen sere er- 
schrocken vnd where warlichen eyn schwinder vnd 
ein erschrecklicher handel, aber ich wyll got vonn hymeln 
vortrawhen der werde die sache vnnd alle saeheen nach seynem 
gotlichen wyllen wol schicken , dan e. 1. haben ye nymantz 
keyn vrsachee zcu solchem gegeben. E. 1. las ich wyssen 
das mein vether etliche tage zcuSalczung gelegen, aber der 
lantgraff yst dohyn nit komen vnd mein vetter yst mit wenigen 
leutten zcun lantgraffen kein E s c h w h e geritten vnd hatt nor 
zwhenne seynne rethee mit sich, desgleichen sollen der lant- 
graff auch haben. Das gemeyn geschreye yst beye myr das 
mein vetther wollen den hewrath zcwischen dem lantgraffen 
vnd seymer tochter beschlissen vnd man solle sich zcu Meys- 
sen zcum beylager richtten, ab es war ader nit war, wyssenn 



- 54 — 

e* 1. am besten. Gestern yst alher geschriebenn, das der pundt 
solle sein volk z(?a geheen lassen vnd der hochemeister zeu 
Preussen solle die haupt leatte den meren teyll bestalt haben 
' auch etliche knechte vnd die knechte solle baldt zca Erfordt 
einkomen vnd der hochmeister wyl jsie dem konigk zcu 
Dennemarck zca füren, worlicheen wollen die knechte e. 1. 
vnd myr aber durch lant zieehen, so wyrdt e. 1. vnd myr eyn 
schade gescheen vnd den armen leutten das zca erbarmen 
wyrdt sein. Als e. 1. myr schreyben vnsers zca samen komens 
halben habe ich aach freantlicher maynang vorstanden, vnd 
ich bedancke mich aach freantlichen keigen e. 1. das myr wolle 
die reather zwischen Eyssenbergk vnd Aldenborg zca 
schicken, wil aach solchs freantlichen vmb e. 1. verdienen vnnd 
ich wyl mit gotlicher Halffe zca e. 1. kein Aldennborgk komen 
aaff den freytag nach vincala Petri (7. Aagust) ; wollens e. 1. 
aber eher vmb eynen tag haben, so wils icbs ligen vnd steheen 
lassen was doheymet yst vnd wyll komen vnd wyl mich mit 
e. 1. weyther bereden. Des Jagens halber, ich habe gestern 
gejaget aber nichts gefanhen dan ij wyldt vnd ein hyrszkalpt, 
vnd yst mein freantliche bytt, mich meins aassen bleybens 
halben, das ich nit ehere zca e. 1. komen freantlichen ent- 
schaldiget haben dan ich den von Beichling and die von 
Beinnebarg aaff den Dinstag zcavor beschieden habe eher 
ich wyll got zca e. 1, reythen wyll. Who es an das so woldt 
ich aaff den selbigen Dinstag beye e. L gewest sein. Welchs 
ich e. 1. freantlicher maynang nit habe woln vorhalten, ich 
wyll e. 1. mber fodern zca wegen brinben. E. 1. freantlichen 
zcu dienen byn ichgeneit. Datum zcu Ihenne an mitwocben 
nach Anno. 23. Hans herczog zu Sachssen. 

XIV. 

Herzog Johann an Kvrf&rst Friedrich. 
1524. 20. Nov. 

Hochgebomer fürst freuntlicher lieber herre brader vnnd 
geuather e. 1. haben myr geschrieben, das ich e. 1. woldt 
vndericht geben was mich er friedrich Thun bericht. Zcu 
Dresten was meyn vetter mit ym gerat hat, das oberschicke 
ich e. 1. alhyr mit meyner eigen handt geschryeben, des glei- 
chen was der lantgraff wider mich gedacht hat, ich bedancke 



— 55 - 

mich auch gancz freantlichen keigen e. 1. der antwort dye e. 1. 
ernAlbrechtten Mechaw geben hat^ wylsauch freantlichen 
vmb e. 1. vordienen. Das sich auch e. 1. sache zcu besserang 
schicket höre ich gantz gern yn Hofihung got wyrd genade e. 1. 
vorleyhen zcu gesuntheit, welchs ich erfrewet where zcu hören. 
E. 1. die habe myr eyn thonne borßdorffer eppfel zcagesaget, 
die wollen e. 1. nit vorgessen^ e. 1. schiebe ich die copia, was 
Meyntz mit myr zca Dresten gehandelt, auch was er auff 
sein antrage vnd meyne antwort mit myr allein redet wie e. 1. 
yn diesser zedel finden werden, welchs ich e. 1. freuntlicher 
maynang nit habe wollen vorhalten. Ew. 1. freantlichen zca 
dienen byn ich geneit. Datam am sontage nach Elisabet zca 
Wymar anno dmn. xv c. vnnd ym xxiiij. 

Hans herczog zca Sachssen m. p. 

/ Daza folgender Zettel. 

Ern Fridrich (Than) yst zca myr komen zca Dresten 
vndgesaget^ ab ich gesehen wie meyn vetter h(erzog) Jorgh 
ynen mit sich den Wendelstein vom tantzhaas hynaaff gefardt 
bette, doraaff ich ja saget: ferner hat ern F. angehaben: das 
meyn vetter diesse wordt solle aber dergleichen mit ym geret 
haben Fr iderich da weist was ytzand vor eyn yrtham 
allenthalben von dem vor flach ttekecz er i sehen Latter 
aaff komenyst, so höre ich das dein herre mein ve- 
therherczogHans leidet yn seinem farstentham mher 
dan andere farsten, das man deasche messe list 
vnd sinhett vnd das das volck yn beyde gestelnass 
zcam heyligen sacrament gehet: solchs and der 
gleichen woldt ich gern mit meynen vethern reden 
alhyr zcaDresten^dan ich weis, das pratica vorhanden 
woRom. keiserl Mayt. vnd franckreich gericht, das 
darch zcathan bepslicher heyligkeit der karfarst 
vnd dein herre vberczogen werden, aach etliche 
stette, vnnd es solle gewisslichen vor sein, das 
man den karfarsten, meynen vethern seins kar- 
farstlichen ampts entseczen wolle, welchs myr trew- 
liehen leidt were, vnd kandt gedencken, was nachtheils das 
mynen vethern seyner liebe brader vnd myr vnd vnsem allein 



- 56 - 

nachkomen brinhen mochte, mein vether hat sich auch erpoten 
mit myr kein Zcelle oder Rohelitz zca reytten aber es yst 
ym darch er Friderichen alles abgeschlagen die weyl er 
ern Friderichs rat hat dorynnen haben wollen meyn doryn- 
nen zcauorschonnen die weyll ich ytzandt bey s. L seye von 
frohlichkeit wegen, mher hat auch meyn vether wider ern 
Friderichen geret, lieber^ es körnen selczame prediger erfttr 
dido zca auffrar vnd andere vnschicklichkeit trejrben; dorauff 
meyn vether durch ern Friderich geantwort das er vorwar 
wüste das ich von e. 1. vnd meint wegen fanff prediger aus dem 
lande vortriebenn hette ; dorbey yst es das mall blyben. der lant- 
graff hat sich freantlichen genach keigen myr gestelt, auch am 
hochczeittag myr auch angeczeigt, das diepratica vorhanden wäre, 
wie meyn vether ern Fr idri eben auch angeczeigt hat, welchs 
ich e. 1. freuntlicher maynung nit wollen vorhalten. Dat. utsupr. 
Meyntzhat myr gesaget, ergunne MartinioLutter 
gatz yn seinem hertzen vnd er predige vnd schreybe 
die warheit vnd hett er gethan, so wäre eyn grosse auf- 
rure worden zca Made bar gk vnd sprach weyter zcu myr, das 
man die pfaffen myr gefanhen brynbet, das geschieht an mein 
geheis vnd sich es aach nit gern vnd ich mas mich besorgen 
vorm bapst vnd Keiser, do kompt der fachs Schwantz vnd 
phariseier, das man den bapst mher forchten soll dan got, er- 
barmess got, yn dieser stand yst myr geschrieben, das des 
Eeisers swester dem konige von Porti gal zca elichen weybe 
gegebenn yst vnd das Franckreye Meylant wider vmb 
ynnen hat. 

XV. 

Herzog Johann an Knrfiirst Friedrich. 

1524. 29. Decb. 

Hochgebomer farst, freantlicher lieber herre brader vnd 
geaather, keigen e. 1. bedanke ich mich gancz freantlichen der 
bachelein, die myr e. 1. zcam newhen jhare geschickt hat, 
wyls aach freantlichen vmb e. 1. vordiennen. E. 1. begeren 
nach wyll ich graff Philips vonSolmis schreyben, wye myr 
e. 1. das selbige vormeldet hat, e. 1. gebe ich zca erkennen, 
das die von Manßfeldt newlichen yn eyne vordrys des 
ewangeliams halben komen sindt vnnd das dar aaff stehet das 



- 57 — 

eyn grosser vnlast draus komen mocht, aber ich habe myr 
sagen lassen, das herczog Philips von Braanswigk vnd 
graff Bot von Stoiber gk sollen zcwischen ynnen bandeln, 
wo es dorch dye nith vortragen, so wyrtz mühe dorfiFen das 
sye eins bleyben, got wyrdt an zweiffei vber seinem wordt 
woU halten. Das graff Ganther e. 1. geschryben vmb eyn 
reynpferdt yst zeunor mathen, das er noch gedenck zca reyn- 
nen, ich habe alle meyn tage gehordt aldter hylff vor toreydt 
nit. Die schliffsteyn sind komen, die wyll ich e. 1. kein 
Leyptzick bestellen aaff den ytzigen marckt, weicheiche. 1. 
freuntlichen maynang nit habe wollen vorhalten. E. 1. freant- 
liehen zca dienen byn ich geneit. Datam zca Wymar am 
freytag nach dem cristag anno dmni xv C. vnnd ym xxv jhare. 

Hans herczog zca Bachssen m. p. 

XVI. 

Herzog Johann an Knrftrst Friedrich. 

21. Jan. 1525. 

Hochgebomer farst, freantlicher lieber herr brader vnd 
geaather, ich habe e. 1. schreyben vorlessen vnd freantlicher 
maynang vorstanden, erstlichen bedancke ich mich keigen e. 1. 
des ab gekonterfeyten schissens zca Hedelbergk, aach des 
glasses wie woll myrs nit worden yst, mit erpittang solchs 
vmb e. 1. freantlichen zca aordiennen ; zcam anderen, das mich 
wyll zca Dieben (Dttben) vnd Wittenborgk freantlichen 
beherbergen, vnd als e. 1. myr schreyben, das ich woldt fleis 
haben, ab ich etwas von cleynnothen zca wegen zca brynhen, 
nae soUenns e. 1. gewisslichen darvor halten, das ich e. 1. yn 
dem vnnd yn eynem andern gern wyllfaren woldt wan ichs 
nor bette, aber e. 1. wyll ich nit bergen, das ich warlichen 
gar keyn vngerisch goldt habe, aber ^ast habe ich etliche 
ketten die myr e. 1. geben vnd aach die ich habe machen 
lassen, ab ich derselbigen eyne soldt schenkenn von e. 1. vnd 
meyntwegen, so habe Ich aach gar schonner cleynot zcwhe, 
die man fast vmb fanffhandert galden schätz, dan die ketten 
haben zca anderthalpt handert galden zca Ixxx vnd handert 
galden, zca fanff handert galden, wan e. 1. kein Wittenbergk 
zca myr komen, so woldt ich e. 1. die ketten vnd cleynot 



— 58 - 

sehen lassen ; als welche dan e. 1. gefiUe, die man sehencken 
müst, dor vmb wold ich mich mit e. 1. woU vortragen; wie 
ich e. 1. geschryben graff Albrechtz halben, dem yst alszo: 
dan der graff hat myr geschryben keyn Arnstat das es noch 
weyther eyngerissen seye was auch der graff zcu antwort hat 
myr der graff geschryben , ich wyls auch dem canczler beuel- 
len e. L solchs yn geheym zcu zcuschicken wies allenhalben 
zcu Arnstat zcu geganhen mit reynnen vnd stechen werden 
e. 1. alhyr beye vor zceichent finden. Das doctorMartinus 
e. 1. zcu entkeigen handelt höre ich gantz vnhgern. 
Ich habe yn meinen vorigen schreyben geyrret wie e. 1. aus 
diesem bey vor warthem briff finden, yst der halben meyn frennt- 
liche byth, e. 1. wollen myrs freuntlichen vorczeihen. Das ge- 
schreyhe yst kein Arnstat komenn, das die pfalgraffin her- 
tzog Jorge gemahel von Pomern solle yn kurtz gestorben 
seyn, got wolle yr geneidigk vnd barmhertzigk seyn^ welchs 
ich e. 1. freuntlicher maynung nit habe wollen vorhalten^ e. L 
frenntlich zcu dienen byn ich geneit. Datum zcu Wy mar am 
freytage nach Prisce anno dem xvC. vnd yn xxv jhare. 

Hans herczog zu Sachsen m. p. 

XVII. 

Henog Johann an KvrfBrst Friedrieb. 

1525. 27. Januar. 

Hochgeborner fürst freuntlicher lieber herre bruder vnd 
geuather keigen e. 1. bedancke ich mich gantz freuntlichen 
der guthen bewyrthun^ wyll auch solchs freuntlichen vmb e. 1. 
vor dienen, ich gebe auch e. 1. freuntlichen vnd vortrewlichen 
zcu erkennen, das Err Hans von der Plawnitz mith myr 
eynen handeln gereth ynnen belanhendt, dor auff ich ym diese 
antwort geben, ich wolle mich mit e. 1. bereden und domach 
wyr vnns beschlissen , wollen wyr ym das vnser gemttthe er- 
offennen vnnd sonderlichen wan myr got wider vmb anheym 
hylfit. DoctorMartinus hat hendt dato alhyr geprei- 
diget vnd yst warlichen eyn groszes volck yn der 
kirchen gewest, das ich eyn freude dor vber gehapt 
habe vnd yst der sermon gewest wie man betten 
sollen vnd was man betten sollen vnd yn alwegh 



- 59 - 

den vertrawhen zcu got haben, das es got gefballe. 
E. 1. lasz ich auch wissen, das ich gestern dornstages byn al- 
her komen vmb viere vnd hett man mich nit auff die Strasse 
aaff Schmidewergk zcu gefurdt woldt ich zcu dreyhen Vhren 
alhyr gewest seyn, ich kam gleich vmb 1 Vhren keyn Eem- 
berg. Die silber sint myr geantwordt 'worden. Meyn bot 
yst gestern von Stettin wider zcu myr alher komen vnd sa- 
get myr, es sterbe von den gnaden gottes gar nichtz czuPom- 
hern nach yn der Marck, so byn ich bericht, das des marck- 
graffen prediger so gestorben yst so sindt die Juden auch al- 
hyr gefhanhen wie myr Bas teil gelessen hat zcuEylborgk. 
Idh wyl auff morgen sampstag nach der Prisenitz reysen, den 
sontag nach Belitz, den montagwyls got bys keyn Berlin^ 
welchs ich e. 1. frenntlicher maynung nit habe wollen vorhal- 
ten e« 1. freuntlichen zcu dienen byn ich geneit. Datum zcu 
Wittenbergk am freytag nach conversionis Panlj anno xv C. 
vnd ym axv jhare 

Hans berczog zcu Sachsen m. p. 

xvm. 

Heriog Johann an Knrfttrst Friedrich. 
1525. 30. März. 

Hochgeborner fürst frenntlicher lieber herre bruder vnnd 
geuather, hendt dato sindt myr bryffe zcu komen von Ern 
Veiten von Leute rszhaym dor ynnen myr vil selczam 
newhe zceitung schreibet des von Wyrtenbergks halben, 
auch das der konigk von Franckreich solle keyn Krem an a, 
auff schlos doselbest gefurdt sein, der Konigk von Franckreich 
solle auch Keis. Maj. mit eigenner handt geschryben haben 
vnd Keis. Maj. gepetten, er seye seyn armer gefhanhen, er 
wolle ynnen gneidiglichen halten. Dorbeye hat der Konigk 
von Franckreich an das perlement yn Franckreich geschryben 
ab post hotten komenn von Keis. Maj., das man die vnuorhin- 
dert woldt durch lassen, auff das ym die antwort mocht vor- 
derlichen zcu komen von keis. Maj.; so yst myr hendt auch 
geschryben, das der pabst solle zcu Rome gefhanhen seyn. 
Die erste newhe zceitung hat myr Er Veit von Lentersz- 
heym zcugescbickt vnd mich dor beye gepethen e, l solchs 



- 60 - 

zcu vonneiden ab die e. 1. nit bette mit erpitang er wolle eyn 
guter Sacbße sterben vnd bleyben dorbeye, sein arme vnder- 
thenige dinst e. 1. zcu schreyben; die andern sindt myr von 
bapst von Nornbergk gesebryben, freantlicher lieber herre 
brader vnd geuather, e. 1. wissen, das e. 1. vnd ich dreye 
tanssent gnldenn Rein gein Normbergk gefertiget, nae leidt 
das geldtt aldo nue where ich meyne anczalle notorfitig, als 
e. 1. wyssen, derhalben yst meyn freuntliehe bitte an e. 1., 
e. l wolle hynnaas schreyben, auff das das geldt ytzundt aoff 
den marck mocht keyn Leiptzick komen, auff das ich iney- 
nen nutz zcu meynen von meynem teyl dor von schaffen. Das 
wyl ich freantlichen vmb e. 1. vordienen. E. 1. freantlichen 
zcu dienen byn ich geneit datam zcü Wymar am donrstag 
nach letare xxv. 

Hans herczog zcu Sachssen m. p. 

XIX. 

Herzog Johann an Kurfttrst Friedrich. 
1525. 7. April. 

Hochgebomer farst, freantlicher lieber herre vnnd geaa- 
ther, yn dyesser stunde yst myr e. 1. schreyben zcukomen, 
welchs ich vorlesen vnd freuntlicher maynung vorstanden vnd 
myr yst ynn aller warheit e. 1. schwacheit nit liept, ich wyll 
aber hoffen der almechtig got werde e. 1. baldt yre gesunt 
wider vmb geben welchs ich erfrewet were zcu hören; ich 
wyll auch e. 1. erpiten^ dem lantgraffen zcu schreyben in zu- 
norsicht, es werde s. 1. nit mißfellich seyn. Reigen e. 1. be- 
dancke ich mich gantz freuntlichen des segers auch des hyrs- 
ses, wyll auch solchs freuntlichen vmb e. 1. hin wider vmb 
vordienen, der lantgraff hat mich eyn schryfft zcu Creutz- 
bergk sehen lassen wie er meynen vethern h(erczog) Jorge 
geschrybenn, dido aus der schryfft wol gegründet was vnd 
vnder sechs blettem nit, dor auff hat meyn vether dem lant- 
graffen eyn antwort geben, wie e. 1. alhyr beye sehen wer- 
den, die wolle e. 1. lessen vnd sust beye sich behalten, dan 
es mocht dem lantgraffen zcu Nachteyl gereichen, welchs ich 
e. 1. freuntlicher maynung nit habe wollen vorhalten. E. 1. 



— 61 — 

frenntlichen zcu dienen byn ich geneit. Datnm obentzcu Wy- 
mar am freytag nach Judica xxv. 

Hans herczog zcn Sachssen m. p. 



XX. 

Aus dem Briefwechsel des Hans von der Pla- 
nitz mit Kurfürst Friedrich ^). 

1. 

Hans Yon der Planitz an Knrftrst Friedrieh. 
Nürnberg 22. März 1522. 

Dr. Martinas halben, das der widervmb gegen Witten- 
bergk komen, yst hie bereytt an erschallen, dan es meynen 
gn. hern herz. Jörgen von standan zw wissen wurden, byn 
auch, ehr myr E. G. g. erstt gethane schrifft zw komen, von 
seynen gn. angerett ob ich wysz, das Dr. Martinas wider- 
vmb zcaWittenbergk were, daraaff ich seynen gn. anwortt 
gab, ich hett davon nicht gehörtt, als saget S. g. er were 
wider aldo, v. zceyget es von standan dem bischoff von 
Bambergk v. dem stathelder an, die eyn gate weyll bey 
eyander yn heymlichem gesprech sunderlich der bischoff v. 
herz. Jorge waren, weyll ich dan befunden, das solchs den 
stathelder angezceygett, v. villeicht nicht E. C. g. zwm besten 
hab ich nicht vnderlassen, heutt dato den stathelder die Co- 
pia zw lessen vbergeben v. dar neben E. C. g. auch meynen 
g. h. herz. Hanssen entschuldigett , das solchs an willen E. 
C. g. V. f. g. V. an wissen bescheen sey, seyn f. g. gebeten, 
wue S. g. anlangen ader hören würde, das villeicht E. C. g. 
V. f. g. etwas beschwerliches hyrinnen auffgelegett ader zwge- 
messen werden wolde, das S. f. g., E. C. g. v. f. g. wolden 
entschuldigen. 



1) Als Ergänzungen zu Max. Jordan, Aus Berichten eines Leip- 
ziger Beichstagsabgeordneten. Die Briefe entstammen dem Weimar- 
sohen Archiv und wurden mir von Herrn Geh. Oberregierungsrath Dr. 
Jordan in Berlin gütigst zur Verfügung gestellt. 



- 62 — 

2. 

Hang Y. d* Planiti an Kirfllrst Frielrieh. 

Nürnberg 1. April 1522. 

Ich besorge auch, gst. Curf. v. her Es werde von etzli- 
chen gesucht, ob man zw wegen brengen mochte das der 
fischall E. C. g. doctor Martin us halben vorneme, kan aber 
noch nicht eygentlich des yn erfarung y. auff den grundt kö- 
rnen, myr wyrtt aber zw zceytten etwas von weytten entwor- 
fen, woU weiß ich das gesucht ist worden dem fischall zw 
bewelen, wider die stett alß Augzburgk, Ulm v. andere 
mehr zw procediren v. sie vorzwnemen, darvmb das sie Er. 
maj. mandatt voracht v. die acht vber Martin um nicht an- 
geschlagen, ym wurde aber eyn antwortt, das er schweiygk, 
dan nymanz seyns angebens gefallen hatt y. meyn argk we- 
nigkeytt stünde darauff, das ich mich vormütett, es warde E. 
C. g. zwm besten nicht vorgeschlagen, ansz dem, dan wne 
man darzw gestymptt v. die stett derhalb vorgenomen vnirden 
weren, mocht es weytter gangen seyn v. a forciori E. C. g. 
auch angegeben, wyll die Martinum als eyn echter zw Wit- 
tenbergk geduldetten, besorge, er werde nochmals sulchs 
hynder ym vor lessen haben, dan er hatt dem bischoff von 
Straspurgk vollen gewalt gegeben, ynen hie auff dem 
reichstage zwuortreten v. derselb ist vast pösz Martinisch. 

3. 

Hans Y. d. Planiti an Kurfürst Friedrich. 

Nürnberg 16. April 1522. 

Der Luther hatt iczuntt alhie guten finden gehabtt eyn 
zceytt langk, das seyn nicht gedacht, dan alleyn der bisch, v. 
Straspurgk zceygett an, wie ym botschafit komen das seine 
pfaffen ym stiflftt vast vill gutt lutherisch weren v. seyner 
lehr anhyngen v. die dem volk vorkondeten, were zw besor- 
gen es wurde sich eynreissen, darvmb muss er anheym sulchs 
zuuorkomen, v. were woU eyn yamer das es nymantz wolde 
zw herzen gehen , do bey liß er es bleyben. Izo ist der bisch. 
V. Bamberg wider auff, der ist eyn zaytt langk am steyn 
gelegen der hebt auch an widervmb leütt zw schefiten (?) des 
Luthers sach auff die pan zw brengen. Nun were es meyns 



- 63 - 

vorstehens nicht sehr bosse das man do von gerett v. gehan- 
delt hette, ych besorge aber alleyn die vorschigklichkeytt, die 
derhalb vnbedeehtiglich aasz eynem bossen willen mocht vor- 
genomen werden, das ausz sich mehr posses den gntes erfol- 
gen mocht, dan der bischoff v. pfaffen seynt mehr hie, dan 
der weltlichen forsten y. seyntt etwas yn dieser sach hiczigk 
derhalb vill myr mochlich will ich helffen vorkomen, domit 
icznntt von dieser sach nicht vill gehandelt. 

4. 

Hang Y. d. Planitz an Kurfttrst Friedrich. 

Nürnberg 14. Mai 1522. 

Als ich widervmb anherkomen, hab ich befanden das meyn 
g. h. herz. Jorge an das regement geschriben, von wegen 
des bachleyns ßo Dr. Martinas hatt aoßgehen lassen von 
beyder gestalt des sacrament zw entpfahen nnd v. dasselb 
buchleyn auch mit geschigktt, darynnen er die sach etwas 
heiß macht v. zw mehr malen Dr. Martinum eynen verwe- 
genen man nennett. 

hatt der pott vngeuerlich X tage aaff antwortt vorzeihen 
müssen v. doch keyn andere antwortt erlangett dan das man 
iczantt mit grosser vnmuss beladen v. ßanderlich weyll ercz. 
hercz. Ferdinand eynkomen v. der Sachen nicht noch 
dengken mocht. Man wolde es aber besehen v. was pillich 
als dan darynnen vorfOgen, der antwort wyrt er schwer- 
lich zw friden seyn. 

Es czeyget auch hercz. Jorge an ym briff, man wost 
iczuntt woU, wne sich Martinas enthilde v. wae er seyn 
wessen hette. darvmb warde man sich woll geparlich daryn- 
nen erzceygen yst yn disser sach gancz erhitztt, werde auch 
bericht, das ym ersten anfangk, do des herczogen schrifft ko- 
men v. aach das puchleyn, vast alle person des regementz 
grossen vnwillen darob entpfangen, aach sich zwm teyll gross 
Hansen (?) vil beschwerlichen wortt sollen haben vornemen 
lassen die ich doch vor meyn person nicht gehortt, dan ich 
die zceytt nicht bey der handt gewest, iczuntt aber höre ich 
nichts, hab auch nicht vnderlassen, vor mich selbst angezcey- 
gett, das ichs gewisslich do vor acht u. wiss es auch vor wo- 
ren das E. C. g. yn sulchen hoen schreiben keyn gefallen 



V 

■k. 



- 64 — 

tragen y, gewisslicb mit E. C. g. willen v. vorwissen nicht 
bescheen, das doch eyns teyls darvor haben, doctor Marti- 
nas lass nichts anßgeben, dorfft es auch nicht thun an vor- 
wissen E. C. g. das ich entschuldigUDg vorgewantt. 

Es solde auch meyns eynfeldigen bedengkens nicht noch- 
teyligk seyn vnsers glaubens v. vnser seien seligkeytt ob sich 
gleich Dr. Martinas salcher schympflichen v. spottischen 
wort gegen dem keyser y. dem regement enthilde, nicht von 
seynettwegen , ßander das er do darch vill böses willens v. 
anders mit der zceytt erregen mocht daraß villeicht E. C. g. 
schade entstände, bitt yn yndth'st E. C. g. wollen myr diese 
meyn torheytt , gnedigklicher yorzayhen , dan man hortt zw 
zceytten mancherley. 

5. 

Kvrftrst Friedrich an Hans y. d. Planitz. 

Lochaw 26. Mai 1522. 

Belangend das schreyben so Vnsser yetter mit yberschig- 
kang Dr. Martinas Bachlein von Beider gestalt des Sacra- 
ment za empfahen an das Regement geschriben, mögen wir 
wol glauben, das vnser vetter in dem v. anderm vnsern vn- 
glympf V. nachtail sacht. Wiewohl wir vorhofifen das wir sei- 
ner lieb darcza nit vrsache gegeben, da magst vnns aber 
wol entschaldigen , das vnns mit vnbilligkeit aaffgelegt, das 
doctor Martinas sein bacher mit vnnsern wissen y. willen 
sol außgehen lassen, dan wan er vnns folgen weit, so ward 
er das bach so vnnser vetter gein Narmbergk geschigkt, 
nit aaßgeben, Aach anders mehr vnderlassen haben. Dan 
vnns die verdrißlichen Bachlein nie gefallen. Darvmb vns in 
dem gantz vnbillich aafflegung beschickt. 



XXI. 
Briefe das Wittenberger Stift betreffend. 

1. 

Nieolavs Amsdorf an Georg Spalatin. 
(Wittenberg) 13. März 1523. 

Die gnad udcI frid. Was soll ich sagen? was soll ich 
■schreiben? mein liebster bruder Georgi, foller angst vnd 
gantz betrabt vnd entsetzt. Ich binn zu einem dechant geweit 
wordenn. Sie wollenn ich soll ir dechant seinn. Wie kann 
ich aber das tbunn? Auß vil vrsachenn. Erstlich: Ein de- 
chant muß schweren er wolle halten handthaben, verteydigen 
die statuta priuilegien freyheit gewonheit vnd befreyung vnd 
weiß nicht was mer für Romische erdichtung. 

Weil ich denn das so den vermeynten gotlichen diennst 
mit den presentz vud votiven, messen nicht kan noch will hal- 
tenn vnd dieselben vil weniger verteydingen noch handthaben 
vnd noch vil weniger nicht schweren will, was zuthunn. Vnd 
wie sol ich auch schweren oder verheischenn ; das ic\r nicht 
kan noch will thunn, das ich auch nicht vermag zu thun, noch 
soll thnn wenn gleich die dechaney zcehen tausent gülden 
hett. Es ist genug, das ich gottloß für mich bin, und mit 
den wercken vnd bewegung des gemuts wider das gesetz 
meines gottes lebe. Sollt ich nu zu dem vorigen gottlosenn 
leben noch ein gotlosers thun vnd wider die 1er des euange- 
liums, die mesßen verteydigenn vnd die andern mesß zu hal- 
den zwingenn. Also das ich das ich (sie) das so ich bisher selbs 
nicht hab wollen halten vnd für gottloß geacht vnd gesagt 
solt nn schweren das ich der meister, haubtsacher vnd leyter 
vnd darob sein wolt, das sie von den andern gehalten wur- 
den. Weil ich bisher in keyner obrickeit gewest bin so hab 
ich nichts verändert wie mirs dann auch nicht geburt hat. 
Wenn ich aber solt mit den andern schaffen so kunt noch wolt 
ich durch die finger sehen wie ich bisher gethan hab. Da- 
rumb bitt ich dich aufs vleissigst durch die gnad Jhesu Chri- 
sti, du wollest daran sein das ich von vnserm gnedigsten hern 
verworffen werd, wie er mit recht vnd aufs best thun mag 

5 



- 66 - 

• 

vnd das sie eyn dechant nach laut der Statuten welenn. Der- 
halben hab vleis das mich vnser gnedigster herr nicht laß zq 
der dechaney presentirenn, dann das sag ich dir, soll ich de- 
chant sein, so werd ich die messen nicht leiden. Darumb 
kan mein gnedigster herr mich wol verwerffen. Dann ir seind 
vil, die verhofft haben dechant zu werden vnd furgeben, die 
dechaney soll an sie kommenn, die werden die stifftung handtha- 
ben. Es hett vor wenig tagen nyem an ts glaubt, dasder Ams- 
dorff soll dechant werden. Darumb bitt ich dich nochmals in 
dem als einn bruder zutbun vnd darob zuseinn, das ich nicht' 
presentirt werd. Das alles hab ich itzo dise stund der vniver- 
siteth auch gesagt, das ich dir schreibe. Ich will gern vnd 
vil lieber ein eynrosser bleiben. 

Nun kumm ich auf die zceitliche dinng; doch schimpfweise. 
Ich bin gar arm. Hab keyn geld weder in die cantzelley noch 
fttr die Statuten zugeben Vnd hett nicht ein heller dann die 
teglichen presenntz vnd den groschen, den mir mein gnedig- 
ster herr geschennckt hat, den ich für ein cleynot vnd zum 
gedechtnuß eingelegt hab. 

So hab ich keyn hauß auch keyn geld eins zukauffen 
oder zubessernn. Item ich solt auch eig^n tisch haben, womit 
soll ich anheben. 

Ich hett nicht ein schussel, noch kandel. Nicht ein tisch, 
noch eynigen haußrat. 

Item so hat die dechaney nicht mer dann j C vnd x fl. 
alles zusammen gerechnet. Dauon geet ab die pension hie auf 
derpfarr, bald zu West hausen auch. Was haben wir dann,? 
Darumb wolt ich das man mich nicht presentirt. Das sey 
schimpfweise dir geschribenn. Gehab dich wol in dem hern 
Christo, des will gescheeh. Dann derselb kan des konygs 
hertz biegen wohin er will, das weisß ich. 

Den freytags nach Oculi anno dni. xv C. xxiij. 

Niclas Amsdorff. 
Eingelegte Zeddel. 

Das ist mein eynig hoffnung, das mich mein brudere die 
tumhern nicht werden instituiren, noch einfuren^ ich hab inen 
dann das geldt geben für die Statuten, das ich nit kan noch 
mag thun. 

Origin. Archiv zu Weimar. Reg. 0. pag. 87. LL 2. 



- 67 — 



Ais einem Scbreiben des Stiflsherrn Hattbevs Beßkaii, Deebant, Georg 
Statfelstein und Job. Tolmar an den Kvrfttrsten 

vom 18. Nov. 1524. 

Auch gnedigster Herre haben wir heut dato vnssern Probst 
zum Doctor Martinum vnszern dechant zu entschuldigen ge- 
schickt, welcher seine entschuldigungen nit hat annehmen wol- 
len, Sondern er will das alle messen in vnsserer kirchen sol- 
len abgethan werden. <Wo nit, wolle er beide Burgermeister 
vns zuuormahnen^ an vns schicken, wo auch nit, gedenck er 
den Predigstul zuuorlassen vnd einen andern darauff zu stel- 
len der also predigen ßol, das ßolche messen abgestalt sollen 
werden. 

Orig. Archiv zu Weimar Reg. 0. p. 108 PF 1. 

3. 

Jostns Jonas an Hans Ton Dolzgk und Hans Ton Grefendorf. 

Wittenberg 10. Dec. 1525. 

Gnad vnnd fryde Gottes, Gestrengenn ernvehsten gunstige 
hernn^ vnnd freunde, ewr gestr. habenn ane Zweifel noch wobei 
In gedechtnis, waser maß vnnd gestalt dy sache alhir mytt dem 
Btifft zcu Wittenberg gehandelt vnnd durch euch als chur- 
furstlich R€the vnnd befelhaber entlich mytt vnns außgericht ' 
vnnd beschlossenn , Nach dem aber dy schrifft des abschids 
ader receß, wilchem nach auch der reuersalbrief soll gestellt 
werdenn, vormag das alles, so bißanher, den personen, dy 
noch am leben vnnd vor banden, außm deinen chor ader 
stifft gereicht, Inen noch soll gebenn werdenn vnnd folgenn, 
Ist itzund newlich, I en der weyn, so man bißher geben 
auszm kleinen stifft, abbrochenn, vnnd hatt der keiner Im 
schlos ein schrifft, vnsers gnedigsten hern gzceigt, dor Inne 
seyn eh. g. abschreibenn vnnd abnchaffenn, vorthin solichenn 
weyn vnter dy stlfftspersonenn zcu teylenn, 

Nun zweifelt mir gar nytt, wue e gestr. etwas dor von 
erfarn ader dor bey gewesenn, do dy selbigen schrifft auß 
der cantzley anßgangenn e. gestr. wordenn vnsern gned° hernn 

5* 



- 68 — 

aller punct vnnd des gebenen receß vleissig vorynnert habenn, 
wu es aber durch vorhinderung ewr maDchfaltigen obliegen- 
den gescheflft auch wobei hatt könne das mahel vorgessen wer- 
den, ist syder dy gemelt schriflft komen, dy weil ich aber 
gunstigenn hernn auß beueih vnnd gegebenen schriftlichen ab- 
schid e. gestr. neben dem doctor Torgaw, dem dechant, den 
gemelten person, des stiffts, vicarien etc. wilche das meist 
teyll arme vnnd ein teyll weib vnnd kind habenn, ange- 
sagt was Inen vorthin volgenn soll, vnnd auß gnaden ge- 
reicht werdenn, wissen ane zcweifel e. gestr. als dy vorsten- 
digenn zcubedencken das gemelter* weyn kleinschetzig vnnd 
des Jars, dy weil der person wenig, kaum iij fl. antrifft vnnd 
doch bey vnuorstendigen dy nachrede brengen wurde, als 
hette man Inen gar groß abbrochenn vnnd als wolle vber dy 
gnedige zcusage Inen etwas abgzcogen werden. Derhalb, dy 
weyl ich gebeten byn von Inen, e. gestr. als diss handeis 
Churfurstliche befeltrager, zcuuorynnern, Ist an e. gestr. meyn 
bitt, Ir wollet bey vnsern gnedigsten hern vntertanige vor In- 
nerung thun, wy mytt vntertanigen willen, vnnd gehorsam sy 
sich In dem selben handel ertzeigt vnnd sein, eh. g. bitten, 
das sich s. eh. g. auß christlicher erbarmung vnnd liebe Je- 
gen Inen gnedig ertzeigen wolle, dan meyns teils bin ich zcu 
fryden, das meynen wein vnnd brott vnter dy andern armen 
person teyle. Nur das sy nytt vber das Euangelium klagen 
ader zcu klagen vrsacb habenn, als breche es allen halb den 
leuthen dy narung ab, vnnd wolle sich vber nymants erbar- 
men, ewer gestr. freuntlich zcu dynen bin ich willig. Geben 
Wittenberg des andern Sontags Im aduent anno etc. xxv. 

euer williger J. Jonas. 
Dem gestrengen vnnd ernvehsten bansen von doltzk, 
Ritter etc. vnnd bansen von Grefendorff churfurstlichen 
Camerer meynen gunstigen hern vnnd freunden. 

Or. Wolffenb. Bibl. Cod. Nov. 359 f. 11. 

XXII. 
Spalatio an den Kurfftrsten Friedricli. 

1. Mai 1525. 

Gottes Gnade vnd friede zuvor, Gnädigster, Daß E. Cf. 
G. neben ihrer kranckheit so viel streitender schwerer und 



- 69 - 

ßLhrlicher Händel vnd Sachen zu stehen, bin ich alß dero 
vnterthäniger Diener wie billig etschrocken , vnd trage dis 
mit E. Cf. G. ein herzliches vnterthäniges mitleiden. Nun ist 
es eben der Menschen wesen hier auflf Erden, ja eben das 
rechte christliche Leben, das im leiden hergehet. Und wie 
Hiob am vierzehnden stehet, der Mensch vom Weibe gebohren, 
lebet kurcze Zeit vnd ist voll unruhe gehet auflf wie eine Blu- 
ten vnd ßlllet ab, fleucht wie ein schatten vnd bleibet nicht. 
Da will es nun an liegen, daß wir vnß in vnsern beschwerden, 
nöthen und anfechtung Got alß vnßern getreuen liebsten Vater 
ergeben, wie denn der König David thut alß man im andern 
Buch Samuelis lieset am 15. Cap. da sich sein Sohn Absalon 
zum Könige wider ihn auffwarflT, sprach er zu Zadack bringe 
die Lade des herrn wieder in die stadt, werde ich Gnade fin- 
den vor dem herrn so wird er mich wider holen vnd wird 
mich sie sehen lassen vnd sein haus. Spricht er aber also 
ich habe nicht Lust zu dir. Siehe hier bin ich, er mache es 
mit mir, wie es ihm wohl gefällt. Wer also thun könte der 
stünde wohl mit Got denn wie S. Paulus Rom. 14 schreibt, so 
sind wir des Herrn vnd auß seinen Händen kan vnß wie 
Christus Job. 10 spricht nichts reißen. Nichts spricht er, das 
ist weder Engel noch Menschen weder Welt noch sunde, weder 
todt noch teuflfel, weder Hölle noch anders. Der ewige Gott 
gebe E. Cf. G. sein Gnade Geist vnd stärckung in einem 
starcken Glauben vnd Vertrauen an Gottes abgrundliche 
Gnade, gute, treue vnd Barmherzigkeit zu bleiben, der wird 
E. Cf. G. nimmermehr verlasssen ehe mtisste Himmel vnd 
Erden vergehen. 

Wollte auch Gott von Einigkeit, daß E. Cf. G. *zusamt 
ihren Brüdern Gott zu Ehren je ehe je besser ein gemeine 
Schrift an alle Stift, Kloester und Geistlichkeit aller ihrer Ftlr- 
stentumb ließ ausgehen, daß E. Cf. G. aus viel grosser Ur- 
sachen, aus christl. und andern Pflichten beweget wären, sie 
hiemit gnädiglich zu erinnern, Gottes dienst in ihren Kirchen 
nach dem lauten Gotteswort zu richten und nichts anders von 
Ceremonien hinfüro zu halten, dann die sich mit dem heil. 
Evangelio vergleichen, zeitlich und ewig Beschwerung zu ver- 
hüten, denn E. Cf. G. wollten ihr Gewissen in diesen Dingen 
entladen haben. Darnach wäre nicht allein zu hoflfen Äbleynung 



- 70 - 

und StilluDg allerley gegenwärtiger Aufruhr, sondern auch 
daß der ewige Gott E. Cf.- 6. als ein getreuen Diener wider 
der eret erhalten und seligen wird als der fromme herzliche 
und allerfreundlichste Vater. Denn ich besorge daß die meiste 
Ursache aller dieser Aufruhr eben daher kommen, daß man 
Gottes Wort verhindert und wir Pfaflfen München und Nonnen 
die abgöttischen und gotteslästerlichen Gottesdienste nicht ab- 
stehen wollen, welche Fürsten und andere Obere aus Gottes 
Gebot Deuter. 7 abzuthun schuldig sind. E. Gf. G. geruhen 
mir um Gotteswillen das unterthänig Ansuchen in ihren itzigen 
vielfältigen Beschwerungen gnädiglich zu Gute zu halten denn 
es geschieht in unterthäniger treuer Wohlmeinung und wollte 
desto lieber sterben, wenn E. Cf. G. allen Geistlichen das 
christliche Gebiß einlegten. E. Cf. G. bekennten sich auch 
damit zu Gottes Wort und wäre ein hohes tröstliches und christ- 
liches Werk bin auch vngezweifelt, E. Cf. G. sollte mit einem 
kleinen Brieflein bey ihrem Bruder erheben, es wäre ein 
edles Werk, o was grossen Guts sollte in aller Christenheit 
daraus erwachsen, die Buben verschonen sich sonst mit E. F. 6. 
So sind auch E. F. G., wird sie solche Abgötterei gestatten, 
nicht entschuldiget. Darum gebe Gott E. F. G. seinen heiligen 
Geist immer dem aller Welt zu folgen. 

E. Cf. f. G. armer 

Diener 
G. Spalatinns. 
Randbemerkung in derCopie: außen steht lö25 I.Mai. Abschr. 

im Cod Chart. Goth. 452 fol. 34 f. 

XXIII. 

Spalatin an den Knrfftrst Mann. 

1525, 1. Oct. 

Gottes Gnad vnd Frid zuuor. Durchlauchtigster Hochge- 
borner Churfurst, Gnedigster Herr E. C. G. bitt ich vntertenig- 
lich zuwissenn, das doctor Martinus vor allen ding für notig 
achteth das E. C. G. aller pfarren guter in Iren furstentnmben 
zu sich nemen, vnd die pfarrer prediger Caplan und dergleichen 
Kirchen diener douon bestellenn. vnd sonderlich das E. C. G. 



— 71 - 

zn Wittenberg anfahen, dann ehe solcbs besebee sey keyn 
Ordnung wider mit Geremonien nocb andern) bestendiglicb für 
zn nemenn. 

Zur Visitation erbeutt sieb doefor Martin us vnterteniglicb 
vnd gutwilliglicb. 

Entscbuldigt sieb aucb vnterteniglicb vnd sagt er bab 
an E. C. G. gnediger neygung zur Universitetb keyn Zwei- 
fel tragenn. allein das im fast statlicb sei angezeigt worden. 
Vnd darneben gesagt das E. C. 6. mir solten vmb meines 
vilfaltigen anregen^ willenn vngnedig sein worden. Dabin 
icb docb Je mit Gottes buliF vngern vrsaeb geben wolt, E. C. 
G. werden ab Gott will vubescbwert sein den zweyen Rbe- 
toren wie Jungst vnterteniglicb gebeten, nocb dreissig gül- 
den Jerlicb zuzulegen wie on all bescbwerung E. C. G. Cam- 
mern bescbeen mag von den felligen Zinsen vnd einkvmmen 
der gefallen prebenden vnd abgangen personeu. 

Den berren Ertzten vnd Doctor Apel kann man mit der 
Zeeit aucb weiter Zulegung tbun. Darnmb bitt icb vntertenig- 
licb E. C. G. wellen furderlicb berr Hansen von Minkwitz 
vnd Hansen von Doltzck gen Wittenberg verorden, mit 
den Registern beder kor des Stiffts zu Wittemberg einkumens. 
Welcbe bede Register Hans Foyel in seiner verwarung bat, 
durcb dieselben ordenlicb zu vberscblagen lassen, wie alle ding 
douon mugen bestellt werden, aucb daneben Jemants zuuer- 
orden der von wegen E. C. G. das einkummen der gefallen 
prebenden vnd Vieareien aucb der abgangen person treulieb 
einmane vnd auf weiteren beuelb außgebe. 

Dann das sollen E. C. G. vngetzweifelt gewiß sein, wen 
man nur vleis dabey baben will, das einkummen einzubringen, 
das man in kurtz ab Gott will die Cammern gar kan ledig 
macbenn. vnd die Vniversitetb fast gantz damit bestellen vnd 
besolden, allein man babe dann gnedigen vnd vnuortzuglicben 
vleis darbey. 

Dann es sind vor allentbalben bey Lxxxj person der Stifft- 
kircben gewesen. Nu sind Jr allentbalben freylieb den Kirch- 
ner mit eingerecbent nicbt mer denn funfftzeben person. Beuor 
im grossen Kor. dann im kleyn Kor bleiben kaum dreu E. C. 
G. lassen Ir Je gemeiner Cbristenbeit zu gut vnd beuor Gott 
zu eren gnediglicb befoln sein , dann das wirt Ja ein Christ- 



• < • 



' - 72 — 

lichs guts heilwertigs werk sein. Vnd weil ich E. C. 6. bil- 
lich dapckpar bin vmb Ire vDd ires brudern Gottseligen vnd 
hochloblichen gedechtnus meines Gnedigsten hern manebfel- 
tige grosse gnaden vnd woltaten, so hat mir nicht zcimen wol- 
len E. C. G. die vntertenige erinnerung vnd bitt zuaerhalten. 
E. G. G. schick ich auch ein vertzeichnus wie des nechsten 
Sambstags vnd Sontags die Cerimonien im Stifft zu Wittem- 
berg mit rat doctor Martinus, philipps vnd pommern 
sind geordnet worden. 

Doctor Martin US hat angefangen dem Roterdam wider 
den freyen willenn zu antwortenn. 

Doctor Martin US hat auch dem Eonyg von Engellandt 
geschrieben, wie E. C. G. hieneben durch mich in eyl ver- 
tentscht befinden. £. C. G. schick ich auch mein verteutschung 
des Pommern briefs an die Christen in Engellandt. 

E. C. G. befil ich Je die armen schweis Bastian vnd 
Fridrich vnd die andern der mein Gnedigster herr seliger in 
seynem letzten willen gnediglich gedacht. E. C. G. bitt ich 
vnterteniglich sie wollen dises mein schreiben von mir gnedig- 
lich vornemen. Dann Gott weis Je mein gcmut das ichs treu- 
lich vnd vnterteniglich meyne. 

Doctor Martin US sagt auch E. C. G. sollen mit Gottes 
hulff in alle weg auf irer vorigen meinung beruen vnd in keyn 
weg Jemants erlauben die vnchristliche Cerimonien lenger zu 
treiben oder wider anfzurichtenn. 

Der ewig Gott habe E. C. G. zusampt allen den iren in 
gnedigem schütz. Amen. 

Dat. Sontags Remigij Anno dei XV^. &. 
XXV, 

E. C. G. 

Vnterteniger Diener 

G. Spalatinus. 

Dem durchlauchtigsten hochgebornen Fürsten vnd hern Hern 
Hern Johansen Hertzogen zu Sachssen des hey. Rom Reichs 
Ertz Marschalh vnd Churfursten, Landgrauen in Duringen vnd 
Marggrauen zu Meissen, meinem Gnedigsten Hern. 

Or. Weim. Reg.-Op. 137—50 DDD 6. 

Dazu (?) ein Zeddel: 






— 73 - 

E. G. G. bitt ich auch ynterteniglich sie wollen magister 
Heinrich von vrba etwa hofmeister im Gengen taler hof zu 
Erffordt in gnedigem beuel haben. Dann er ist geschickt, 
gelert, verstendig vnd auszrichtsam wie vngetzweifelt E. C. G. 
vom Grefendorf vnd Bastian Schaden wol berichtet 
werden. 

Nechten Sonnabents Hieronymi ist doctor Martinus 
prior za Wittenberg herauf ginÄldenbnrg kummen sich heut 
Sontags zu hören lassen. 

ibid. 



XXIV. 

Verzeiclmiss der Brüderscliaffcen 

denen Degenhard Pfeffinger bei seinem Tode (1519) angehürte ^). 

I. 

1) Bruderschaft der alleredelsten Jungfrau Maria, der keu- 
schen und feinen Gebererin Christi. 

Eintrittsgeld 3 Gulden oder den Priestern eine gute 
Mahlzeit. 

2) Zu St. Johannis Baptist Bei der Kirche werden alle 
in Jhene in Gott verstorbene begraben und heißt Johannes 
in Patmoß. 1 fl. Eintrittsgeld. 

3) Die Bruderschaft der großen (!) Mutter der hl. Frauen 
Anna. 1 fl. Eintritt. 

4) der hl. Äp. Jacobus. 1 fl. 

5) Der Elenden Brüder. 

6) Der Brüder Carmelitorum auch der Elenden Brüder 
genannt. Eintritt 20 fl. 

7) St. Sebastiani „wirdet jehrlich 1 mal vou Armbrost- 
schützen off St. Sebastianstag erlichen begangen mit vigi- 
lien vnd Seelmessen. Und nach gehaltenem Ampt haben 
sie ein CoUation, die begehen sie durch einander selbs." 

8) Die Bruderschaft S. Martini ),begeht man alhier allent- 
halben wie im Fürstenthum üblich^^ 

II. 

Des herrn Pfeffingers seligen Brüderschaftsbrief herein in 
dise Lande gehörig: 

1) Bruders Parfnserordens des ministers zu Sachsen. 

2) Der Rosencrantz prediger ordens zu Leiptzigk. 



1) Nach der Neudeckerschen Abschrift in Gotha« Das Original 
habe ich nicht auffinden können. 



- 75 - 

3) Zum Neuenwerk zu Hall in Sachsen. 

4) St Augustin Dr. Staupitz. 

5) Unser lieben frauen Entfenknus zu St. Kolen. 

6) Dr. Rab Predigerordens. 

7) In Eisenberg bey Weymar. 

8) Des Generals prediger Ordens. 

9) Prediger ordens der provintz zu Sachsen. 

10) Zum heiligen Kreutz zu Coburg. 

11) Sant Antonienordens zu Lichtenberg. 

12) St. Georgen brttderschaft zu St. Alban zu Meintz. 

13) Des heyligen geists gen Cotwisz. 

14) Gin Wittenberg aller glaubigen seien. 

15) Gin Weimar in das parfuser Closter. 

16) Unser lieben Frauen bruder zu der Dame (?). 

17) Unser lieben Frauen knechte zu Hall. 

18) Kartausz zu Eisenach. 

19) Sant Michelsberg bei Teylstorflf. 

20) In das Closter zum Buch. 

21) In das Junkfraucloster zu Gerbstet. 

22) In das Closter Munchroten bey Coburg. 

23) In das Closter Bosau bei Zceitz der Bursfelder Reformation. 

Sum: 23. 

Ein anderer Zettel: 
Des Herrn Pfeffingers Brüderschafft in diesen landen dor- \ 

über keyn Briefe vorhanden. 
Acht Bruderschaft zu Jena (die oben verzeichneten). 
Zu Sant Annen Bruderschaff zu konygsberg. 
Aller zwolff boten in der Pfarr zu Coburg. 
Im Junkfrau Closter zu Lausenitz. 
In den heyligen eylfitausend Junkfrauen zu Cöln. 

Summa XIII 
Summa Sumarum XXXVI. 



i- 



Im Verlag von A. Deichert in Erlangen ist erschienen : 

Betbueh Christian L, Herzogs und Churrürsten zu Sachsen , vom 
Jahr 1589. Mit Geboten des Churfürston August von Sachsen. 
Aufs Neue herausgegeben von Pfr. Dr. Joh. Conr. Irmischer. 
gr. 12. 1855. (XXII u. 312 S.) 1 Mk. 

Gzerwenka, 0. Pfarrer, Philipp Melanchthon nach seinem Leben 
und Wirken. Zur Feier der 300jährigen Wiederkehr seines 
Todestages herausgegeben. Mit Melanchthon^s Bildniss, nebst 
anderen Abbildungen und einer Stammtafel, gr. 8. 1860. 
(Xm u. 228 S.) 60 Pf. 

Detzer, J. A., die deutsche Theologie, ein edles Büchlein vom 
rechten Verstände : was Adam und Christus sei ; und wie Adam 
in uns sterben, Christus aber in uns leben soll. Mit D. M. 
Luther's und Arndts Vorreden. 8. 1827. (XXXII u. 159 S.) 
40 Pf. 

Melanehllion'S; Phil., Loci communes in ihrer Urgestalt herausge- 
geben u. erläutert von Prof. Dr. G. L. Plitt. gr. 8. 1864. 
(XII u. 299 S.) 2 Mk. 80 Pf. 

Plitt, Prof. Dr. G., Friedrich der W^eise, Kurfürst von Sachsen, 
als Schirmherr der Reformation, gr. 8. 1863. (34 S.) 40 Pf. 

, Luther vor Kaiser u. Eeich. Ein Vortrag, gr. 12. 1869. 

(38 S.) 40 Pf. 

, Jodokus IVutfetter von Eisenach, der Lehrer Luther^ in 

seinem Wirken geschildert. 8. 1876. (60 S.) 1 Mk. 

, die vier ersten Luthorbiographion. Ein Vortrag. 16. 1876. 

(34 S.) 40 Pf. 

, die Albrechtsleuto oder die ev. Gemeinschaft. Ein Wort 

zur Belehrung und Warnung, gr. 8. 1877. (53 S.) 60 Pf. 

, Gabriel Biel als Prediger geschildert, gr. 8. 1879. 

(78 S.) 1 Mk. 

Rnst, J.« Stimmen der Eeformation und der Eeformatoren an die 
Fürsten und Völker dieser Zeit. gr. 8. 1832. 2 Mk. 

Schmidt, Lic. th., K., Wittenberg unter Churfürst Friedrich dem 
Weisen. Ein Vortrag in erweiterter Gestalt herausgegeben, 
gr. 8. 1877. (62 S.) 1 Mk. 

Sillem, Dr. H. C. Wilh., Primus Trüber, der Keformator Krains. 
Ein Beitrag zu der Reformationsgeschichte Oesterreichs. gr. 8. 
1861. (XII u. 98 S.) 1 Mk. 40 Pf. 

Thatsaclieil, die hauptsächlichsten, der christlichen Kirchen- und 
Reformationsgeschichte von ihrem Anfange bis zur gegenwär- 
tigen Zeit. 2. Auflage. Mit Luthers Bildniss. 1868. (49 S.) 
30 Pf. 



Druck von Junge & Sohn in Erlangen. 



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